Feuerzauber
Die Musik klingt, als wäre ihr die Buße für eine unbekannte Schuld auferlegt. Vielleicht die der späten Geburt. Bedenkt man, dass bereits 1965 – ein halbes Jahrhundert vor dieser Uraufführung von Jan Klusáks «Philoctetes» Mitte Mai 2015 im Antonin-Dvorák-Theater zu Ostrava – am gleichen Ort ein Happening John Cages mit Merce Cunningham und Robert Rauschenberg über die Bühne ging (eine Bronzetafel im Foyer erinnert daran), hechelt Klusáks Oper der Zeit entschieden hinterher. Doch sie ist gediegen gearbeitet, erinnert an den späten Strawinsky, auch an die Zweite Wiener Schule.
Energisch konturiert die Musik die Figuren, füllt die umfangreichen, Sophokles entliehenen Sprachhülsen, die vorzugsweise rezitativisch behandelt werden, mit interessanten Farben. Die Produktion – in Kooperation mit dem Nationaltheater Prag – stellt so etwas wie eine späte Rehabilitierung des Komponisten dar, dessen Schicksal jenem der Titelfigur nicht unähnlich ist: Philoctetes, einer der griechischen Heerführer vor Troja, wird nach einem Schlangenbiss siech und auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Erst als man ihn als Kriegstaktiker benötigt, holen Odysseus und Neoptolemos ihn zurück. Klusák (Jahrgang 1934) ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Gerhard Persché
ARD-ALPHA
12.7. – 11.00 Uhr
Fenomeno.
Porträt des Gitarristen Aniello Desiderio.
18./25.7. – 22.00 Uhr
KlickKlack.
Musikmagazin.
19.7. – 11.00 Uhr
Aniello Desiderio spielt
Gitarrenmusik aus Italien.
26.7. – 11.00 Uhr
Mariss Jansons dirigiert
Brahms: 2. Symphonie, D-Dur, op. 73, beim Lucerne Festival zu Ostern.
arte
1.7. – 5.15 Uhr
Romeo und Julia.
Aus der Reihe «Musik entdecken...
Ein maroder Theaterinnenraum aus dem bürgerlichen 19. Jahrhundert. 935 Nutzungseinheiten soll er nach dem Umbau hergeben, gigantische Einnahmen durch Verpachtung und Vermietung bringen. Das rechnet die Immobilienmaklerin dem Regisseur auf der Bühne vor und erklärt, bevor die Bautrupps mit der Abrissbirne anrücken: «Hier wird nicht mehr probiert, hier wird gemacht.»
...
Natürlich ist es reiner Zufall, dass zeitgleich zur Braunschweiger «Peer Gynt»-Premiere in München NS-Kunst aus dem Depot geholt und mit Zeitgenossen konfrontiert wurde. Wird da aus dem Keller heraufgezerrt, was im Rahmen einer (verspäteten) Entnazifizierungsdebatte dorthin verbannt wurde? Auch in Cottbus war Werner Egks Ibsen-Destillat aus dem Jahr 1938 ja...
