Facettenreich

Neue Lied-Recitals mit Werken von Schubert bis zu García Lorca und ­spanischen Coplas

Opernwelt - Logo

Das zweistöckige Haus Kettenbrückengasse 6 unweit des Theaters an der Wien sieht mit seiner schmutzig-traurigen Fassade aus, als würde es den Tod Franz Schuberts noch heute betrauern. Vor 180 Jahren starb der Komponist dort, erfror an der Welt, quälte sich davor noch seine «Winterreise» ab. Man erinnert sich an die Szenen in Fritz Lehners Schubert-Verfilmung «Mit meinen hei­ßen Tränen»: Schwammerl, der Schmerzens­mann, der Musikterrorist in der bleiernen Zeit Metternichs, in Udo Samels pyknischer Gestalt.

Den Freunden trug er seine «schauerlichen Lieder» vor, mit hohler, schartiger Stimme. Hat Schubert wirklich so geklungen? Vermutlich nicht; schließlich war er Mitglied des k. u. k. Sängerknaben-Konvikts gewesen – Zeit- und Hörgenossen berichten von einer zierlichen Tenorstimme. Doch sein Vortragsstil dürfte eher deklamatorisch gewesen sein, vermutlich anders als jener des Hofopernsängers Michael Vogl, der Schuberts bedeutendster und erfolgreichster Interpret wurde. Aber auch Vogl hat die Lieder wohl schlichter gesungen, als wir es heute angesichts einer interpretatorischen Übernuancierung des späten 19. Jahrhunderts gewohnt sind. Man muss es bedauern, dass Edison erst Mitte des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: CDs, Seite 54
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kopflastig

Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Urauffüh­rung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über...

Phönix aus der Asche

Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...

Verblüffend authentisch

Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag. Der Klagenfurter...