Etappensieg
Es war der bis dahin wichtigste Abend seiner Karriere: Nachdem er Tamino und lange Florestan gesungen und sich über den «Meistersinger»-David, den «Holländer»-Steuermann und Rienzi ans Wagner-Fach herangearbeitet hat, debütierte der Niederösterreicher Andreas Schager jetzt als Siegfried beim «Ring» in Halle und Ludwigshafen – und eroberte die Herzen des Hallenser Publikums. Sein Tenor hat seit Tamino-Tagen einen metallisch harten Kern hinzugewonnen und trägt den ganzen Abend, ohne zu ermüden.
Der 40-Jährige, schlank, blond, großgewachsen, macht aus dem kühnen Knaben einen sympathisch-lockeren, unbekümmert und jungenhaft wirkenden Helden, der sich auf den Boden hockt, um Mime zu lauschen, und am Ende des zweiten Akts noch mal eben vor den Vorhang eilt, weil er dort Nothung vergessen hat.
Bei dieser Figur geht das Regiekonzept des Ludwigshafener Intendanten Hansgünther Heyme auf: Siegfried als Vertreter jenes neuen Geschlechts, das Wotan geschaffen hat, um die in Schuld verstrickte alte Welt zu retten. In anderer Hinsicht bleibt die szenische Arbeit oft im Illustrativen und Ungefähren. Wieder ist da die mit kryptischen Zahlen- und Buchstabencodes geschmückte schwarze Urnenwand, in ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt
In diesem Jahr jährt sich der napoleonische Krieg in Russland zum zweihundertsten Mal. Prokofjews Oper «Krieg und Frieden» (nach Tolstois Roman), die diese Zeit feiert, ist allerdings ein Monster, kaum aufführbar. Sie beinhaltet viel Siegespathos, das heute inakzeptabel wirkt. Für einen Abend ist das Stück außerdem zu lang. Allerdings können Striche manches retten.
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Der GMD, unser Mann fürs Grobe? Zweieinhalb Jahre nach dem Antritt Donald Runnicles’ an der Deutschen Oper hat man den schottischen Dirigenten als zupackenden, abgestandene Stücke aufrüttelnden Matador und Motivator seines Hauses schätzen gelernt. Andererseits beginnt man sich (nicht erst) angesichts der jüngsten Berliner «Lohengrin»-Premiere vor dem leicht...
Da ist nachgedacht worden. Man merkt es dem Programmbuchgespräch an, dass Regisseur David Pountney über die komplizierte Editionslage von Alexander Borodins «Fürst Igor» Bescheid weiß. Denn: Verworren ist das Wenigste, was man darüber sagen kann. Gerade mal 185 der 710 Partiturseiten sind O-Ton-Borodin. Mindestens 60 Prozent der Fassung, die Nikolai Rimsky-Korsakow...
