Es ist nie zu spät

Barber: Vanessa
Glyndebourne | Opera House

Opernwelt - Logo

Die Uraufführung an der New Yorker Met 1958, von Cecil Beaton ausgestattet, glänzend besetzt, mit Dimitri Mitropoulos am Pult, deutete auf ein Erfolgsstück. Doch kurz darauf fiel «Vanessa», Samuel Barbers erste abendfüllende Oper, bei den Salzburger Festspielen mit Pauken und Trompeten durch. Trotz zweier Versuche, das Werk am Haus seiner Inauguration zu rehabilitieren (1959 und, in einer revidierten Fassung, 1965), verschwand es von den Spielplänen.

Warum? «Vanessa» kam zur falschen Zeit.

Unter den damals nach neuen Wegen suchenden jungen Komponisten galt der Serialismus als Maß aller Dinge. Barbers postromantisch-lyrische Tonsprache, in der eher Strauss als Schönberg nachklingt, muss ihnen als hoffnungslos, wenn nicht vorsätzlich veraltet vorgekommen sein. Doch das ist vorbei. Im pluralistischen Klassikbetrieb unserer Tage hat «Vanessa» wieder Chancen: Produktionen in Altenburg, Frankfurt, Bremerhaven und Wexford belegen ein wiedererwachtes Interesse, die Bühnentauglichkeit zu überprüfen. Jetzt hat auch das Glyndebourne Festival Barbers Schmerzenskind entdeckt und präsentiert es, 60 Jahre nach der Geburt, als britische Erstaufführung.

Das Warten hat sich gelohnt. Die Partitur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Panorama, Seite 54
von George Hall

Weitere Beiträge
Impressum September/Oktober 2018

59. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752315

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@ope...

Den schweren Schritt abgewöhnen

Der Mann mit der hohen Stirn, der wie bestellt und nicht abgeholt vor einem leeren Geschäftsportal sitzt, an einem Sonntagmorgen in einer menschenleeren Straße (vielleicht im New Yorker Greenwich Village) – ja, irgendwie könnte es auch Hanns Eisler sein. Freilich, Edward Hoppers Gemälde «Sunday» entstand bereits 1926, zwölf Jahre vor Eislers Ankunft in New York....

Gratwanderung

Der 19. August 1945 war für Leo Borchard ein besonderes Datum. Und das lag nicht nur daran, dass er an diesem Tag im Titania-Palast an der Spitze «seiner» Berliner Philharmoniker stand, sondern, weit mehr noch, am Programm des Konzertabends. Vor der Pause dirigierte Borchard Beethovens Erste und Strauss’ «Don Juan», im zweiten Teil lag die Partitur eines seiner...