«Es ist ein Spiel, aber ich nehme es ernst»
Sie geben ein Interview, dabei müssen Sie gleich auf die Bühne. Macht es Ihnen nichts aus, jetzt noch so viel zu sprechen?
Mich kümmert das nicht so. Ich habe mir eine positive Form der Routine angewöhnt. Ob Vorstellung oder Probe: Ich versuche, den Tag so normal wie möglich zu gestalten und mich nicht verrückt zu machen.
Wie sieht bei Ihnen denn ein Vorstellungstag konkret aus?
Normalerweise schlafe ich so lange wie möglich. Es gibt ein spätes Frühstück und ungefähr vier Stunden vor der Vorstellung ein Mittagessen.
Dann versuche ich, ganz entspannt zu sein, gehe einfach ins Opernhaus. Der Tag läuft nicht extrem anders ab als sonst. Und so etwas wie Aberglaube oder Rituale suchen Sie bei mir vergeblich.
Also ist es doch ein Tenorklischee: Schal um den Hals, den Mund halten …
Das hängt davon ab, wie man seine Sprechstimme benutzt. Ich spreche normalerweise recht tief, das könnte auf Dauer schon anstrengend sein. Deshalb wechsle ich, um mich zu schonen, im Laufe des Tages in die «Sing-Einstellung» – ohne dabei gleich wie ein Klischeetenor zu klingen. Extrem nervös bin ich eigentlich nicht, es sei denn, ich habe mir eine neue Rolle vorgenommen. Aber überlegen Sie mal: Wir verbringen so ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Interview, Seite 34
von Markus Thiel
Der erste Griff galt der Hand von Konzertmeister Erich Höbarth, der zweite einem Hocker in der Mitte des Podiums, den er missmutig zur Seite rückte. Gelegenheit zum Sitzen, zum Ausruhen, so etwas braucht Nikolaus Harnoncourt nicht. Im vergangenen Sommer ist das passiert, bei den Salzburger Festspielen. Und der Abend mit den drei letzten Mozart-Symphonien belegte...
Der Rheinoper ist zum Saisonstart endlich wieder eine rundum überzeugende Eigenproduktion geglückt (Barrie Koskys Trickfilm-«Zauberflöte» ist ja «nur» ein schlauer Einkauf von der Komischen Oper Berlin). Altmeister Dietrich Hilsdorf läuft in der 150. Regie seiner Karriere zu großer Form auf. Es ist seine erste Begegnung mit dem von ihm bisher gemiedenen Richard...
Jean-Baptiste Lully und sein Librettist Philippe Quinault schufen die Tragédie lyrique, auch Tragédie en musique genannt, als nationales französisches Musiktheater. Bewusst sah man sich als musikalisches Pendant zur klassischen französischen Tragödie von Corneille und Racine, setzte sich von der italienischen Oper ab und strebte ein Gleichgewicht zwischen gereimtem...
