Ergreifend
Schon das erste Bild fasziniert in seiner suggestiven Erzählkraft: Das vielfach verflochtene Schicksalsseil der Nornen hängt, den gesamten Hintergrund ausfüllend, in zwei riesigen Knoten aus dem Schnürboden herab. Ein gelungener Entwurf der für das Bühnenbild zuständigen japanischen Installations- und Performancekünstlerin Chiharu Shiota – klar in der Optik, deutlich in seiner imaginativen Aussage. Gleichzeitig ist dieses Bild ein optisches Bühnenzitat aus dem vorangegangenen «Siegfried», bewirkt also eine Verknüpfung der einzelnen «Ring»-Teile.
Auch das Ross Grane, das – entworfen von Marc Schnittger – als eine von drei Spielern zum Leben erweckte Skelettpuppe vorgeführt wird, ist eine solche Reminiszenz an Früheres, hier an die ebenfalls von Puppen dargestellten «Rheingold»-Riesen und den Drachen im «Siegfried». Im Rückblick erkennt man so, wie Regisseur Daniel Karasek, der unlängst seinen Kieler Intendantenvertrag gerade bis 2025 verlängert hat, aus den einzelnen Abenden der Tetralogie ein zusammenhängendes Ganzes zu formen versteht, in dem nicht zuletzt auch die Videos von Konrad Kästner, etwa mit dem Gedanken der Umweltzerstörung, und die bisweilen an Wieland Wagner erinnernde ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Gerhart Asche
Was für eine Inkubationszeit! «Ein Traumspiel», die erste Oper von Aribert Reimann, wurde 1965 in Kiel uraufgeführt (dirigiert von Michael Gielen). Erst 22 Jahre später – der «Lear» war längst ein Erfolg – kam das Stück wieder auf die Bühne, diesmal in Wiesbaden. Noch einmal drei Jahrzehnte später erlebt es nun seine dritte Produktion – am Theater Hof, was einfach...
Noch einmal bauscht der Vorhang zur Seite, und da stehen sie, jubelumbrandet, im Rosenregen: Gwyneth Jones, die erste Feldmarschallin, Brigitte Fassbaender, ihr Octavian, «Otti» Schenk, Jürgen Rose – eine Verbeugung vor dem Strauss-Dreamteam der 1970er-Jahre, eine Huldigung, bevor dieser «Rosenkavalier», Inszenierungsikone, lange von Carlos Kleiber dirigiert und an...
«Man hält sie für eine Lügnerin, eine Hochstaplerin, ein hysterisches Weib – und sie ist schließlich so unglücklich! Ich wollte, alle hätten sie gern.» Mit diesen Worten verteidigte Janáček seine Heldin, die alterslose Emilia Marty alias Elina Makropulos. Er führt sie uns fast die ganze Oper hindurch vor, wie sie von außen gesehen wird: in bizarren Klangbildern,...
