Entwurzelt
Zweimal im Jahr zeigt Potsdam, das kein eigenes Opernhaus hat, dem großen Nachbarn Berlin, dass auch hier spannendes Musiktheater möglich ist: im Sommer, während der Musikfestspiele Sanssouci, und bei der jährlichen Winteroper. Da diese wegen Sanierung seit einigen Jahren nicht im angestammten barocken Schlosstheater im Neuen Palais stattfinden kann, spielt man auf der anderen, stadtnahen Seite des Parks, in der Friedenskirche. Die spirituelle Umgebung legt geistliche Stoffe nahe, wegen der beschränkten Platzverhältnisse ohne Bühne bieten sich szenische Oratorien an.
Dieses Mal: «Elias» von Felix Mendelssohn Bartholdy, geschrieben fürs chorvernarrte englische Publikum, konzipiert für Hunderte Mitwirkende.
In Potsdam sind es nur ein paar Dutzend, genauer: sechs Solisten und 24 Choristen. Resultat ist eine fast kammermusikalische Transparenz und Durchhörbarkeit des Klangbilds, dem es aber trotzdem nicht an alttestamentarischer Eindringlichkeit fehlt. Dirigent Titus Engel legt sich ins Zeug, auch körperlich: Da die Kammerakademie Potsdam am einen Ende des Kirchenschiffs spielt, der Chor aber am anderen agiert, hat er alle Hände voll zu tun, damit nichts auseinanderläuft, erklimmt ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Udo Badelt
Es hängt was schief im Staate Dänemark: Hoch oben im Bühnenhimmel des Theaters Krefeld baumelt ein imposanter Thronsessel. Noch in der Ouvertüre angelt sich der Brudermörder Claudius das verwaiste Sitzmöbel herunter, nimmt Platz und pflanzt in aller Ruhe die Königskrone auf sein Haupt. Gut drei Stunden später steht vorne auf Hermann Feuchters mit glattem Parkett...
Die Tragödie beginnt als brillante Soap. Hochzeitsparty ist angesagt. Die Stimmung in der heruntergekommenen Wohnküche, die Johannes Leiacker quer auf die Bühne platziert hat, so dass ihre Spitze über den Orchestergraben ragt, treibt dem Höhepunkt zu. Die schon angetrunkenen Gäste bespaßen das Brautpaar Kreusa und Jason. Der übergriffige Brautvater Kreon – Shigeo...
Es ist nicht nur die erste «Alcina» der Washington National Opera – sondern auch ihre erste Händeloper seit «Tamerlano» 2008. In den Staaten kam «Alcina» erst 1960 an: Joan Sutherland trat an der Dallas Opera in einer üppigen, musikalisch traditionellen Zeffirelli-Inszenierung auf. Stilistisch fuhr das Stück an der New York City Opera besser (sowohl 1983 mit Carol...
