Ensemblekultur
Opernquerschnitte in deutscher Sprache waren in den Jugendjahren der Langspielplatte Grundbausteine jeder Klassiksammlung. Gesamtaufnahmen konnten sich damals nur die Besserverdienenden leisten, und eine ganze Oper zu hören, ohne auch nur ein Wort zu verstehen, galt den meisten Musikfreunden als snobistisch. So erklärt sich die Fülle von Produktionen, die im Zuge der Internationalisierung des Musikbetriebs wieder vom Markt verschwanden und erst relativ spät auf CD neu aufgelegt wurden.
Bei der auf diesem Sektor tonangebenden EMI zeichnete lange der Berliner Produzent Fritz Ganss künstlerisch verantwortlich. Nach dem Mauerbau wollte ihn die Firmenleitung nach Köln abberufen, was ihm nicht gefiel. Das Angebot von Bertelsmann, das neue Label Eurodisc mit aufzubauen, kam ihm deshalb gerade recht. Der neue Job war eine Fortsetzung des alten, denn Ganss konnte sich auf einen großen Teil der EMI-Gesangsstars und auf die dort schon bewährten Kapellmeister Wilhelm Schüchter und Heinrich Hollreiser stützen. Zehn Querschnitte aus den frühen sechziger Jahren erleben jetzt bei Sony/BMG ihr CD-Revival, weitere Titel werden folgen.
Rudolf Schock, auf dessen Popularität Eurodisc große ...
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Bereits zu ihrer Entstehungszeit wurde Vincenzo Bellinis vierte Oper «La straniera» kontrovers aufgenommen: Während das Drama um eine untergetauchte Franzosenkönigin («Die Fremde») den Geschmack des Publikums traf, das nach bizarren mittelalterlichen Schauergeschichten dürstete, bemängelten die Kritiker die Kurzatmigkeit der melodischen Empfindung. Letzteres lag...
Rostock ist überall, kurzsichtiges Kaputtsparen in Kommunen keine deutsche Spezialität. Aus dem norwegischen Bergen ist jetzt ein klassischer Fall von Kulturdemontage zu vermelden. Dort wurde der seit Jahren erfolgreich arbeitenden Vest Norges Opera kurzerhand die Subvention gestrichen. 1981 von der Dirigentin Anne Randine Øverby auf privater Basis gegründet und...
Die Schreibmaschine ist schön. Weil sie Erinnerungen weckt an eine Zeit, in der Wörter noch gleichsam eingemeißelt wurden. Altes Modell, vielleicht eine Olympia aus den sechziger Jahren. Vor ihr Anna Samuil, in grauer Leinenhose und lindgrüner Bluse, im Schneidersitz, auf dem Boden hin- und herwogend wie ihre Seele. Soll ich? Soll ich nicht? Ja, sie soll. Und man...
