Eisgekühlt

Gluck: Alceste Venedig / Teatro la Fenice

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Vorromantische Opern scheinen von Regisseuren mitunter gern tiefgekühlt serviert zu werden. Ein Trend? Verglichen mit Bob Wilsons leichenschauhaus-frostiger Inszenierung von Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» an der Mailänder Scala (siehe OW 3/2015) lässt sich die Neuproduktion von Glucks «Alceste» in Venedig als eine Art Kompromiss zwischen historisch informierter Aufführungspraxis und Regietheater werten. Und doch geht es auch hier nur bedingt werktreu zu.

Wir wissen heute aus zuverlässiger Quelle, dass dieses Stück (egal ob in der Fassung von Wien, Paris oder Bologna, den Hochburgen der Gluck-Verehrung während der 1760er- und 1770er-Jahre) ebenso wie ihre «reformierten» Operngeschwister nach dem damals gängigen Muster von Opera seria-Aufführungen gegeben wurde – mit Balletteinlagen in den Pausen und nach dem Finale, opulent ausgestattet (pompöser Kopfputz, grelle Kostüme usw.), auf fünf Stunden gestreckt.

Dem Publikum des Teatro La Fenice präsentierte man für die (in diesem Haus) erstmals mögliche Begegnung mit Glucks Meisterwerk eine Fassung von gut zwei Stunden. Zum Vergleich: Die 1987 auf Schallplatte erschienene Scala-Produktion unter Riccardo Muti mit Kirsten Flagstad ...

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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Carlo Vitali

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