Ein gewissen Sehnen
Mozarts Briefe – man glaubt sie zu kennen, und kennt sie doch nicht. Oft wurden die «Häsle Bäsle» Briefe zitiert oder die verzweifelten Versuche des Sohnes, den Vorwürfen seines Vaters zu begegnen. Immer wieder sind sie Stoff für innovative Theaterprojekte, daneben auch Forschungsgegenstand der Musikwissenschaft, die aus Mozarts Äußerungen zu musikalischen Fragen Rückschlüsse zur Aufführungspraxis und Ästhetik der Musik seiner Zeit zu ziehen versucht.
Der Bärenreiter-Verlag hat jetzt ein kleines, bibliophiles Bändchen mit Mozarts Briefen an seine Frau Constanze veröffentlicht. Herausgeberin ist die Musikwissenschaftlerin Silke Leopold, die in Vorwort und Kommentaren überkommene, gleichwohl hartnäckig sich haltende Urteile über das «größte Genie der bekannten Menschheitsgeschichte» und seiner «bestürzend banalen» Ehefrau (so der Mozart-Biograf Hildesheimer) hinterfragt.
Dabei kristallisiert sich heraus, dass in den knapp zehn Ehejahren aus der anfänglich eher unleidenschaftlichen Beziehung zur schwarzäugigen Schwester der vormals heftig umworbenen Aloysia Weber eine innige, vertraute Nähe wird, die nur jenseits von Standesdünkel und Vorteilsdenken gedeihen konnte. In diesen ...
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Frau Lukacs, Sie waren gerade zwanzig Jahre alt, als Sie ihr Debüt an der Budapester Staatsoper gaben – als Leonora in «Il trovatore». In diesem Alter beginnen die meisten gerade erst ihr Gesangsstudium. Waren Sie ein Wunderkind?
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Anfangs wollt‘ man fast verzagen. Es war, als entfalte sich das Vorspiel zu «Tristan und Isolde» bei Marko Letonja und dem Sinfonieorchester Basel nicht recht. Zu viel Stückwerk, keine Linie – vor allem aber: kein Sehnen, keine Not, kein Geheimnis und um jenen Tick zu rasch, der verhindert, dass man sich in Richard Wagners Ausdruckswelt einnisten kann. Dafür...
