Toshio Hosokawa; Foto: Promo/Kazlshikawa
Ein Akt der Trauer
Sie ist eine der berühmtesten Frauenfiguren der japanischen Geschichte, gelebt hat sie vermutlich von 1165 bis 1211: Shizuka Gozen, auch bekannt als Lady Shizuka. Ihre Geschichte, in aller Kürze, geht so: Zwei Brüder konkurrieren um die Macht. Einer von ihnen ist ihr Geliebter. Der andere will ihn umbringen. Shizuka verhilft ihm zur Flucht, gerät aber selbst in Gefangenschaft. Als sie einen Sohn zur Welt bringt, wird das Kind bei lebendigem Leib begraben.
Fragmente dieser Geschichte tauchen im Text der – nach der Pariser Weltpremiere – in der Kölner Philharmonie aufgeführten Oper «Futari Shizuka» («The Maiden from the Sea») von Toshio Hosokawa immer wieder auf; Matthias Pintscher dirigierte das auftraggebende Ensemble Intercontemporain. Oriza Hirata, der schon zu Hosokawas Musiktheater «Stilles Meer» das Libretto schrieb, greift in seinem Textbuch auf eine Bearbeitung des Stoffes für das japanische Nō-Theater zurück und nutzt das klassische Motiv der Geistererscheinung. Bei ihm erscheint der Geist Lady Shizukas allerdings einer jungen Frau: Helen ist auf der Flucht, wir sehen sie nach einem Schiffbruch am Ufer des Mittelmeers. Shizuka ergreift Besitz von ihr, spricht durch sie. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Ingo Dorfmüller
«Warten auf Stradella» heißt Salvatore Sciarrinos neue Oper «Ti vedo, ti sento, mi perdo» im Untertitel. Der Komponist Alessandro Stradella (1639-1682) wird, wie Becketts Godot, sehnlichst erwartet, taucht aber nie auf. Stattdessen kommt ein Bote mit der Nachricht von seiner Ermordung. Die knapp zwei Stunden Spieldauer bis dahin vertreibt sich die...
Was Stimmcharakteristik und Entstehungszeit der Werke betrifft, sind die Arienalben von Sonia Prina und Sophie Bevan zwar sehr unterschiedlich, eine Gemeinsamkeit haben sie aber doch: die sorgfältige Auswahl der Titel und die Fokussierung auf je einen klar definierten Zeitabschnitt. Sonia Prina widmet sich mit «Heroes in Love» dem wenig bekannten «italienischen»...
Das Markenzeichen der English Touring Opera? Klar, die Herumtreiberei. Aber auch eine verblüffende musikalische Kompetenz, ein betont schlichter Inszenierungsstil – und ein Programm, das so manchem gut finanzierten Theatertanker als Vorbild dienen könnte.
Nominell hat die ETO ihren Sitz in der Hauptstadt, doch eine feste Spielstätte gibt es nicht: Landesweites...
