Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!
Das Lob des Herrn hat viele Gesichter. Es kann demütig sein, erhaben frohlockend, schlicht-eingängig. Aber es kann auch so sein wie hier: überschäumend, vital, ja beinahe ausgelassen. Antonio Vivaldis «Gloria», mit großer Wahrscheinlichkeit anlässlich Venedigs Sieg gegen die Türken anno 1716 komponiert, sprüht vor diesem erquickenden Geist, der geistliche Würde mit jenem musikantischen Esprit verknüpft, für den «Il Prete Rosso» noch heute zu Recht gerühmt wird.
Zumal in einer Interpretation, die jedes affirmative Pathos vermeidet, stattdessen auf brizzelnde Sprachmelodik und bewegten Rhythmus setzt: Ehre sei Gott in der Höhe des Swing!
Diego Fasolis und sein Ensemble I Barocchisti gebieten über eine gut ausbalancierte, deklamatorisch dichte, atmende Tongebung. In den schnellen Sätzen des «Gloria» lässt diese Funken sprühen, in einem elegischen Stück wie «Et in terra pax» mit seinen absteigenden Arpeggien, schattiert sie geschmeidig und im steten Puls die verschiedenen Stimmen, bringt Akzente wohldosiert zum Einsatz. Im Einklang mit den Chromatismen des Chorsatzes (der Chor des Schweizer Rundfunks besticht durch präzise Artikulation und hohe Phrasierungskunst) entsteht eine ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Jürgen Otten
«Gloriana» – so bejubelten die Untertanen ihre Königin Elisabeth I. nach dem Sieg der englischen Flotte über die Große Armada der Spanier anno 1588. Doch Elisabeths Alltag war wenig glorreich: Umgeben von
intriganten Höflingen, innerlich zerrissen, galt ihre Zuneigung dem drei Jahrzehnte jüngeren Robert Devereux. Dass der Graf von Essex ihr Günstling war, ist...
Frau Romaniw, Sie sind nach dem Konservatorium nach Houston ins Opernstudio gegangen – eine schwierige Zeit für Sie.
Diese Nachwuchsprogramme nehmen einen hart ran. Das muss wohl auch so sein. Die Gelegenheit, mit erfahrenen Kollegen den Theateralltag zu teilen und auf der Bühne zu stehen, fand ich unbezahlbar. Doch stimmlich fing ich gefühlt wieder bei Null an.
Wi...
So lange ich denken kann, hat mir der eiserne Grundsatz gute Dienste geleistet: auf Tour nie bei Verwandten wohnen! Nicht, dass ich was gegen die Familie hätte. Es ist bloß so: Wer nicht selbst ein Musikerleben lebt, hat von unserm Tun und Treiben nur eine vage Vorstellung, weiß kaum, was der Job erfordert. Unschuldigen Zivilisten den Künstler-Rhythmus aufzwingen,...
