Editorial
Eine Gagenhöhe kursiert, die niemand bestätigen möchte. Auch wir sind natürlich weit davon entfernt, sie als Faktum zu begreifen. Aber wenn sie nicht stimmt, so wäre sie doch gut erfunden. Denn es geht um eine Tendenz. Konkret: Im kommenden Sommer wird Anna Netrebko zusammen mit ihrem Lebensgefährten Erwin Schrott und dem Tenor Jonas Kaufmann drei Konzerte in Berlin, München und Wien geben. Ein gemischtes Programm, bei dem sie allerhöchstens eine Dreiviertelstunde singen dürfte. Für die drei Auftritte soll Anna Netrebko 1,5 Millionen Euro bekommen.
Fakt sind die Spitzenpreise der Karten: In Berlins riesiger Waldbühne bis 410 Euro, in Wiens Stadthalle bis 471 Euro. Die Veranstalter gehen also aufs Ganze. So what? Schließlich sind keine Steuergelder im Spiel. Seit Farinelli und Jenny Lind haben Superstars Supergagen verlangt – und bekommen. Alles nur eine Sache von Angebot und Nachfrage?!
Trotzdem ist das so getaufte «Gipfeltreffen der Superstars» symptomatisch für eine neue Dimension. Der Markt zerfällt in seine Extreme. Profitgier wird immer schamloser ausgereizt. Weltstars der Generation von Elisabeth Schwarzkopf waren in ihren besten Zeiten mit einer Abendgage von 20 000 Mark ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Aus der Opernwelt, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
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