Editorial
In Krisenzeiten boomt die Sehnsucht nach Zerstreuung. Wenn die Börsenkurse in den Keller rauschen und ganze Staaten wanken, sollen nicht auch noch die schönen Künste den Lauf der Welt vorführen. Als in Frankreich das Zweite Kaiserreich verrottete, strahlte am Theaterhimmel Offenbachs Operetten-Feuerwerk. Während die k.u.k.-Donaumonarchie gerade ihre Zukunft verspielte, drehte sich Wien im Walzertakt der Strauß-Dynastie. Lehár, Kálmán, Benatzky & Co. feierten ihre größten Erfolge, als sich bereits die Kriegskatastrophen des 20. Jahrhunderts zusammenbrauten.
Je schwerer das reale Leben drückt, desto leicht(gewichtig)er ist das, was gut auf der Bühne läuft.
Solche Koinzidenzen kann man auch nach dem jüngsten Finanz-Crash beobachten. Da macht zum Beispiel TV-Entertainer Harald Schmidt (mit Kompagnon Christian Brey) an der Rheinoper in Düsseldorf aus der «Lustigen Witwe» eine flotte Revue: sinnfrei und unterhaltsam. In der «Süddeutschen Zeitung» verkündete er, was er unter bürgernahem (Musik-)Theater versteht: «Die Leute sind doch total bereit, sich emotional wegreißen zu lassen. Dieses ganze intellektuelle Getue ... strengt sie ja wahnsinnig an.» Westend und Broadway statt Regietheater ...
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Am Ende stehen die Gewinner im Licht und die Verlierer im Schatten. Wie bei jedem Wettbewerb geht auch an Bord der MS Europa, beim ersten Sängerstreit auf hoher See, nicht alles allezeit spiegelglatt und gerecht zu, während Kapitän Jan Ackermann alle sicher von Venedig nach Barcelona schippert. Geschmacksfragen, Vorlieben funken wie immer dazwischen, ob sich eine...
Ein Puccini-Recital ungewohnter Art. Die (nach meiner Ansicht leider) ins Sopranfach gewechselte Violeta Urmana widmet sich Erstfassungen von Arien oder Szenen aus «Edgar», «Manon Lescaut», «Madama Butterfly», «Suor Angelica» und «La fanciulla del West», andererseits Zweitfassungen aus «La rondine». Zu ihren Partnern gehört der unermüdliche und – was seine...
