Editorial
Vielreisende in Sachen Oper kennen das: Manches von dem, was ihnen auf der Bühne begegnet (zumindest in den zum Kanon gezählten Werken des Musiktheaters), erscheint in Momenten oder gar ganzen Szenen wie etwas, das schon mal da war – so oder ähnlich. Ein leises Raunen und Flüstern ist dann zu bemerken, eine unterschwellig entrüstete Unruhe – wir wollen es der Einfachheit halber das Déjà-vu-Geräusch nennen. Nun liegt laut Søren Kierkegaard gerade in der Wiederholung eines Ereignisses, eines Gedankens, eines Gefühls oder eines Bildes das wahre Vergnügen für den Menschen.
Denn im Gegensatz zur Erinnerung, die verblasst, verblassen muss, ermöglicht die Wiederholung die Erfahrung der Essenz.
Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Causa Wiesbaden (siehe Seite 27), wo – ohne dass man das gerichtsfest beweisen könnte – die «Salome»-Inszenierung des Intendanten Manfred Beilharz erstaunliche Parallelen mit einer 2005 von Carlos Wagner in Montpellier betreuten Produktion desselben Stücks aufweist, so steht der Verdacht des Plagiats im Raum – und damit der Vorwurf, Beilharz habe wissentlich fremdes geistiges Eigentum als sein eigenes ausgegeben. Doch wo genau verläuft die Grenze zwischen ...
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Etwas ist anders als sonst. Nicht allein liegen die Rheintöchter dort drunten, auf dem Grund des ruhenden Flusses, sondern als Teil einer Art Jeunesse dorée, die sich müßig dem Tage entgegenräkelt, nicht wissend, welch Ungemach droht. Parallel zur Musik, die das einfühlsam beschreibt, umreißt Richard Lowes Choreografie dieser Szene die Morgenstimmung einer...
Glyndebourne war einmal ein Ort, an dem (auf Einladung von Günther Ebert und Peter Hall) bedeutende Monteverdi-Pioniere arbeiteten. Doch das ist lange her, abgesehen von einer «Poppea» zum fünfzigjährigen Jubiläum des Festivals 1984. Wenn nun die neue «Poppea»-Produktion dort eines bestätigt, so die Erkenntnis, dass das Stück dramaturgisch größere Probleme aufwirft...
Über seine Musik verliert Cristóbal Halffter in einem im Programmheft abgedruckten Interview zur Uraufführung seiner nach dem «Don Quijote» zweiten Oper kein Wort. Stattdessen lässt sich der Nestor der spanischen Komponistenszene über theologische und philosophische Hintergründe des Werkes aus, spricht über Platons Höhlengleichnis und über die Apokryphen, über...
