Edel verchromt
Die «Puritani», uraufgeführt 1835 im Pariser Théâtre-Italien und dann weltweit erfolgreich, mussten im 20. Jahrhundert zeitweise von der Bühne abtreten. Die Liebes- und Irrsinnstragödie des Fräulein Elvira auf der Folie der englischen Bürgerkriege, die Mitte des 17. Jahrhunderts tobten, und der betörende Süßstoffgehalt der ihr zugesellten Melodien erschienen aus Sicht der Moderne obsolet. Während der letzten Jahrzehnte wurde Bellinis Œuvre allerdings gründlich rehabilitiert.
Dafür sorgten nicht zuletzt der leidenschaftliche Einsatz von Sopranistinnen wie Maria Callas, Joan Sutherland und Mirella Freni und das Wiedererwachen eines historistischen Bewusstseins.
Nun haben sich De Nederlandse Opera, das Grand Théâtre Genève und die Griechische Nationaloper Athen Vincenzo Bellinis letzter Oper in einer Koproduktion angenommen. In Amsterdam konnte man zum Auftakt zwar keine «Jahrhundertstimme» aufbieten, mit Mariola Cantarero aber immerhin eine Elvira, die trotz anfänglicher Intonationsprobleme und eines manchmal weit ausschlagenden Vibratos die Wahnsinns-Partie mit Verve durchhält. Sie gestaltet ihre Koloraturen mit instrumentaler Präzision und setzt die Spitzentöne mit durchschlagender ...
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Es sah nach Erfolgsrezept aus. Hatte der Schweizer Regisseur Jarg Pataki doch in der vergangenen Spielzeit am Theater Freiburg gleich mehrere Publikumsmagnete (siehe OW 5/2008) verantwortet: Kafkas «Prozess», Puccinis «Madama Butterfly» und vor allem die spartenübergreifende Produktion von Ibsens «Peer Gynt» mit Griegs kongenialer Schauspielmusik. Dort war es zumal...
In der stattlichen Diskografie von Puccinis «Madama Butterfly» nehmen die Produktionen der EMI vordere Plätze ein. Fast unerreicht in ihrem unsentimentalen, fast schroffen Habitus ist Gianandrea Gavazzenis Mono-Einspielung von 1954 mit Victoria de los Angeles und Giuseppe di Stefano. Herbert von Karajans klangsinnlichere Version aus dem folgenden Jahr, mit Maria...
Der Mond über dem Palast des Herodes bleibt unsichtbar. Für den Pagen, der ihn mit «einer Frau» vergleicht, «die aufsteigt aus dem Grab»; für die Prinzessin, die ihn als «silberne Blume» besingt, «schön und keusch»; auch für den Tetrarchen, der in ihm «ein wahnwitziges Weib» erkennt, «das überall nach Buhlen sucht». Nicolas Brieger braucht für seine schlüssige...
