Dunkle Revue
Zum Prädikat «letztgültig» hat es nicht mehr gereicht. Die «Uraufführung» 1959 in Moskau, sechs Jahre nach dem Tod Sergej Prokofjews, ist eher als Director’s Cut einzuordnen. Und wer weiß, was noch geworden wäre: ein, zwei Bilder weniger? Eine Straffung und Glättung, damit verbunden eine Verharmlosung der Tonsprache? Oder, angesichts des heraufdämmernden Ost-West-Konflikts, eine zusätzliche patriotische Aufwallung? Vielleicht ist «Krieg und Frieden» weniger widerstreitend, als mancher Essay das glauben macht.
Die streichergestützte Süffigkeit à la Puccini, die karikierende Klanglichkeit der Franzosen-Bilder, die vielen Gesichter des leitmotivischen Moll-Walzers, die ätherisch-ungreifbare Utopie, Momente des Brachialen – man kann das auch verbinden, logisch auseinander entwickeln und aufeinander beziehen. Joana Mallwitz führt es vor.
Es ist ihr Abend, diese erste Opernpremiere einer neuen Ära am Staatstheater Nürnberg. Immer wieder schaut man verwundert in den Graben und stellt fest: Das sind tatsächlich dieselben Musiker. Doch wie vielschichtiger, klangbewusster das Orchester agiert, das darf sich die Generalmusikdirektorin, die so ermunternd ihr bestechendes Handwerk ausspielt, ...
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Opernwelt November 2018
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Markus Thiel
59. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752316
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Mahlers «Kindertotenlieder» sind 20 Minuten größter, inniger Schmerz über den schlimmsten Verlust, den Menschen erleiden können, den Tod ihres Kindes. Gleichzeitig sind sie auch Kunst, fünf Lieder für Mezzosopran und/oder Bariton und Orchester. Jede Aufführung davon hat, so erschütternd sie sein mag, den Repräsentationscharakter, der einem Orchesterkonzert nun...
