Drei Farben Rot
The romantic hero», wahrlich ein genialer Titel für ein Album, auf dem ausschließlich französische Arien versammelt sind! Frère Jacques, dormez-vous? Manchmal, liebe Sony-Manager, soll es ja helfen, einen Moment lang nachzudenken – dann wäre vielleicht auch der Fehlgriff mit dem Dirigenten nicht passiert. Am Pult des RAI-Orchesters neigt Evelino Pidò dazu, die Tempi zu verschleppen, sentimentalisiert – und macht dadurch so manche Nummer puccinesker, als sie gemeint ist. Dabei hat Vittorio Grigolo ein gutes Gespür für die Musik von Bizet, Massenet & Co.
– und auch die perfekte Aussprache. Umwerfend, wie er sich im Schlafzimmerduett aus dem vierten «Roméo et Juliette»-Akt in purem Liebesglück verströmt. Elegant phrasiert ist die Balkonarie aus derselben Gounod-Oper; gänzlich frei, ohne jeden Druck entwickelt Grigolo die melodischen Linien in der Blumenarie aus «Carmen» wie in «Pourquoi me réveiller» aus «Werther».
Sein Rollendebüt als Titelheld der Massenet’schen Goethe-Vertonung war im Juni in Berlin ein Riesenerfolg. Weil Grigolos Vorliebe fürs Pathetische, für altmodische Seufzer und Schluchzer live mitreißt. Kann man den Italiener allerdings nicht sehen, sondern nur hören, wirkt ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Frederik Hanssen
Das nennt man antizyklisches Verhalten: Vier Tage vor Christoph Willibald Glucks 300. Geburtstag setzt die Niedersächsische Staatsoper das Werk eines anderen Jubilars auf den Premierenspielplan: Nicht Richard Strauss (der braucht als Rechtfertigung kein Jubiläum, es sei denn man wählt leichtfertig «Guntram», die «Feuersnot» oder den «Friedenstag»), sondern...
Seltsam. Auf ihrer Wagner-CD ist Anne Schwanewilms solistisch siebenmal zu hören: mit der Hallen-Arie der Elisabeth, dem Schlussgesang der Isolde und den Wesendonck-Liedern; diese Tracks dauern 32 Minuten und 25 Sekunden. Das Radio-Sinfonieorchester des ORF unter Cornelius Meister «füllt» die CD auf mit 33 Minuten und sieben Sekunden orchestraler Musik: der...
Hoch gelobt, aber kaum gespielt, das ist das Schicksal von Berthold Goldschmidts musikalischer Tragikomödie «Der gewaltige Hahnrei» – 1932 in Mannheim uraufgeführt, dann unter das Verdikt der Nationalsozialisten geraten, 1992 konzertant und 1994 szenisch in Berlin wiederentdeckt, danach nur noch in Bern und in Darmstadt angerührt. Jetzt hat sich das Stadttheater...
