Divendämmerung

Barber: Vanessa Hagen / Theater

Opernwelt - Logo

Vanessa schaut sich einen Film an. Auf der Leinwand flimmert sie selbst in Schwarzweißbildern, gestylt wie eine Diva aus der Stummfilmzeit. Sie lebt ganz in ihren Erinnerungen an die große Liebe mit Anatol, wartet schon seit 20 Jahren auf seine Rückkehr. Als dann wahrhaftig ein Mann namens Anatol erscheint, ist es nicht der Geliebte von einst, sondern dessen Sohn, der sich erst einmal an Vanessas Nichte heran- und ihr ein Kind macht. Gian Carlo Menottis Libretto zu Samuel Barbers Oper «Vanessa» ist Melodrama pur.

Die Komposition entstand 1958 in den USA, als Hollywood gerade die Psychoanalyse entdeckt hatte. Indem Roman Hovenbitzer das Seelendrama nun in Hagen mit vielen Filmbildern als Diven-Dämmerung inszeniert, knüpft er plausibel an die Entstehungszeit des Werks an.

Wenn Nichte Erika verzweifelt alles daran setzt, das Kind loszuwerden, wird ihr gequältes Gesicht in pathetischen Großaufnahmen herangezoomt. Dass sie ergreifend wirken, liegt an der großen schauspielerischen Präsenz der auch gesanglich nuancenreichen Mezzosopranistin Kristine Larissa Funkhauser. Die Aufführung scheut die große Geste nicht, was zu Barbers aufwühlend spätromantischer Klangsprache passt. Das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Stefan Keim

Weitere Beiträge
Verwickelt

Es muss ja gar nicht so schlimm kommen, das meint zumindest der Architekt. Aber jetzt ist die Zahl nun mal in der Welt. 235 Millionen Euro für die Theatersanierung, die Nachricht hat Augsburg in einen Schockzustand versetzt. Dabei gibt es noch so viel anderes, das den Haushalt belastet: die Renovierung der Schulen, die Dauerbaustelle Bahnhof; manches wurde...

Vorschau

Central City Opera
Im Überschwang des Goldrauschs baute sich Central City ein eigenes Opernhaus. Wie so viele Städte in den Rockies. Rund 100 Jahre später gab es in der Stadt weniger Menschen als Plätze in der Oper. Das Theater hat’s überlebt – Spielhöllen sei Dank.

Sich finden
Am liebsten tingelt Angelika Kirchschlager durch die Dörfer, um in ScheunenLieder zu...

Orientalische Fantasie

Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Das ändert sich langsam, denn durch die Initiative des Palazzetto Bru Zane werden seine Werke jetzt erneut zur Diskussion gestellt. Nach «Herculanum» und «Lalla Roukh» (siehe OW 2/2015) ist jetzt die sinfonische Ode «Le...