Dirigent des Jahres
Der Geduldige
(von Anja Silja)
Die Arbeit mit Kirill Petrenko war für mich eine wunderbare Erfahrung und Entdeckung. Ich bewundere ihn sehr. In all den Jahren meiner Karriere, die bekanntlich schon eine Weile dauert, bin ich kaum einem Dirigenten begegnet, der mit so viel persönlicher Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit so viel gnadenlose Genauigkeit verlangt von Orchester, Chor und Solisten – und sie auch erreicht. Denn jeder möchte für ihn so gut sein wie möglich, einfach weil man ihn nicht enttäuschen möchte.
Diese Einstellung einem Dirigenten gegenüber ist außergewöhnlich, ich kannte sie bisher nur bei André Cluytens.
Es geht dabei nicht um Ehrfurcht vor dem Dirigenten und um sein Diktat, wie das in früheren Zeiten oft der Fall war. Es geht um die Begeisterung an der gemeinsamen Erarbeitung eines Werkes. Die vermittelt Petrenko in hohem Maße. Neben aller dirigentischen Souveränität hat er ein ausgeprägtes Gespür für die Szene, ohne das man Opern überhaupt nicht dirigieren sollte (was leider trotzdem oft geschieht).
Seine erstaunlichen Sprachkenntnisse helfen ihm dabei – und sie helfen den Sängern, nicht nur die Musik richtig zu verstehen, sondern auch mit dem Wort richtig ...
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Opernwelt Jahrbuch 2009
Rubrik: Bilanz, Seite 110
von Anja Silja,Christof Loy,Christine Mielitz
Auf der Spielzeitbroschüre 2009/10 des Theaters Magdeburg heißt es in großen Lettern: «Wir sind Thema». Wenn man durch Halle, Magdeburg und Dessau geht, drängt sich allerdings keineswegs der
Eindruck auf, dass Musiktheater Stadtgespräch ist. Muss man es nicht erst zu einem Thema machen?
Karen Stone: Das ist sicher wahr, aber in letzter Zeit ist das Publikum in...
Butterfly packt es heute einfach nicht. Dass sie erkältungshalber bei der Klavierhauptprobe keinen Ton singt, na gut. Aber dass sie auch noch alles vergessen würde, was sie in den szenischen Proben eigentlich schon ganz gut draufhatte, damit hatte keiner gerechnet. Sichtlich nervös verfolgt Jetske Mijnssen vom Regiepult in den Zuschauerreihen des Basler Theaters...
Wer hat die erfolgreichste Oper aller Zeiten geschrieben? Klar, Mozart mit der «Zauberflöte». War ja schon immer so. Auch in der aktuellen Statistik des Deutschen Bühnenvereins rangieren Pamina, Tamino & Co. wieder vorn. 40 Inszenierungen, 453 Aufführungen, 289 964 Besucher – von solchen Quoten können Mimì und Rodolfo, die Zweitplatzierten, nur träumen. Hat es zur...
