Die Zeit ist ein grausam' Ding
I. Eigentlich ist Lucilla die kapriziöse Zicke des Stückes. Sie gibt sich bescheiden und einfühlsam, doch gleichzeitig zieht sie ihren Mann in den Bankrott, indem sie ihrer Leidenschaft für Mode, Haute Cuisine, Schmuck und Partys frönt. Sie ist das genaue Gegenteil ihrer Schwägerin, der lieblichen Angelina, die ihren Namen nicht umsonst trägt und abendfüllend darum bangen muss, ihren Geliebten heiraten zu können. Damit wären zwei Eckpunkte der Dramaturgie klar abgesteckt. Doch es kommt alles ganz anders.
Schon bei Lucillas erster Arie blüht das Orchester auf, als säßen plötzlich mehr Musiker im Graben. Die Harmonik spielt mit Hör-Erwartungen, reizt Trugschlüsse aus. Die melodischen Bögen wachsen und sind doch mit unruhigem Puls unterlegt. In ihrer zweiten Arie – da wurde Lucilla gerade von ihrer Verwandtschaft verstoßen, und ihrem Mann droht eine Gefängnisstrafe – zeichnet die Musik eine Tragödie des Abschieds. In Seria-Manier setzt ein groß angelegtes Accompagnato-Rezitativ an. In Töne gefasst wird innere, nicht äußere Ohnmacht. Ein geprüftes Herz fleht zu Amor und singt sich aus mit Koloraturen, die existenzielle Verunsicherung signalisieren. Holzbläser und Hörner sekundieren ...
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