Die Zeit, die ist ein kostbar Ding

Der Tenor Josef Protschka gehört zu den schärfsten Kritikern eines auf Verschleiß gepolten Opernbetriebs. Ein Gespräch über vermeidbare Stimmkrisen, immer kürzere Sängerkarrieren und den Versuch, mit einem für alle Altersgruppen offenen Gesangswettbewerb gegenzusteuern.

Opernwelt - Logo

Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?

Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los. Eine gewisse künstlerische Reife erreichen wir erst, wenn wir um die 30 Jahre alt sind. Deshalb habe ich ­einen Wettbewerb initiiert, bei dem es keine Altersgrenze gibt.

Wo liegt bei Wettbewerben normalerweise die Altersgrenze?

Genau in dieser Phase: zwischen 30 und 32 Jahren. Das ist zu früh. Sie müssen bedenken, dass manche Sänger erst den Mut aufbringen, den Sängerberuf zu ergreifen, nachdem sie eine andere Ausbildung abgeschlossen haben. Auch mir wurde geraten: «Machen Sie doch erst mal was Solides, dann sehen wir weiter.» Damit ist es für viele Wettbewerbe zu spät.

Sind das nicht Ausnahmen?

Nein, das glaube ich nicht. Besonders Frauen gründen oft eine Familie, bevor sie voll in den Beruf gehen. Andere werden durch einen Fachwechsel zeitlich zurückgeworfen. Schließlich erleben nicht wenige Sänger in jungen Jahren eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Leonora im Wunderland

Ob Filme unbedingt den Auftritt von Stars brauchten, wurden neulich die Coen-Brüder gefragt. Das sei, antworteten sie, «ein sehr kompliziertes Thema, über das man stundenlang reden könnte». In der Oper ist die Sache so eindeutig wie im Fußball: Stars auf dem Spielfeld, besser: ein Superstar, steigern für viele Menschen den Erlebniswert einer Veranstaltung, sie...

Begrenzt entgrenzt

Ganz gleich, ob es sich um die Contessa oder Susanna im «Figaro», Donna Elvira oder Zerlina im «Don Giovanni», Pamina oder Königin der Nacht in der «Zauberflöte» handelt – bei Mozart steht als Besetzungsangabe immer nur «Sopran». Die Differenzierung nach verschiedenen Stimmfächern ist eine Erfindung späterer Zeit, die dafür sorgte, dass Sängerinnen, die der «Hölle...

TV-Klassiktipps

arte

1.1. – 5.00 Uhr
7.1. – 5.10 Uhr
Naganos Kinderlieder.
Japanische Kinderlieder aus dem 19. Jahrhundert, neu arrangiert von Kent Nagano und Jean-Pascal Beintus.

1.1. – 18.05 Uhr
Neujahrskonzert 2014
aus dem Teatro La Fenice in Venedig. Orchester und Chor des Teatro La Fenice, Diego
Matheuz. Solisten: Lawrence Brownlee, Carmen Giannattasio.

3./9.1. – 5.00 Uhr
Ein Ball...