Die Natürlichkeit des Artifiziellen
Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur Ehrenrettung der Figur angetreten, verleiht ihr Fleisch und Blut.
Die beiden Szenen seien punktuell und kurz, es müsse der Moment wie durch ein Brennglas eingefangen werden, aber es gebe noch immer genug Bandbreite bei den Emotionen, meint sie. Den vermeintlichen Bruch sieht sie aus der Perspektive der Psychoanalyse. Es sei der «Schatten» im Sinne C. G. Jungs, den sie in der zweiten Arie bediene, den Mr. Hyde des Doktor Jekyll. So lässt sie die beiden Arien der Königin zu Höhepunkten ihres Debüt-Recitals bei Virgin Classics werden. Die erste Szene, das üble Spiel der Königin mit den naiven Gefühlen Taminos, kostet sie differenziert aus. Fulminant die zweite Arie, eine Explosion dämonischer Energie. Zumal sie in Jérémie Rhorer, dem Gründer und Leiter des Ensembles «Le Cercle de l’Harmonie», einen Dirigenten zur Seite hat, der sich ...
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Dem Klischee, dass für die Partie der Amina in Bellinis «Sonnambula» Anmut und Agilität ausreichen, hat keiner energischer widersprochen als Felice Romani, der Librettist. «Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein hat, als sei die Rolle leicht darzustellen, ist sie wahrscheinlich schwieriger als andere, die bedeutender wirken mögen.» Dass Amina und Norma...
Schon während der Aufführung hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Als sich am Ende, nach knapp zwei Stunden, die Bühnenrampen zu beiden Seiten des rund umlaufenden Podests in der aufgelassenen Gebläsehalle des Duisburger Industrieparks senkten und, bei langsam verlöschendem Licht, alle Mitwirkenden wie in einen schwarzen Sarkophag...
Die fünfte Spielzeit, die das Theater Erfurt in seinem hochmodernen Opernquader eröffnete, soll eine «italienische» werden. Das klingt nicht sprühend originell. Die erste Inszenierung der Saison war dann aber doch eine Überraschung. In einer Doppelvorstellung sind zwei Einakter des italienischen Komponisten Flavio Testi zu erleben. Das damit verbundene Wagnis ist...
