Die Krönung: Der Weißgoldakkord
Der Mann im rotbraunen Samtsakko mit Fliege zündet sich zum Schluss genüsslich einen Glimmstengel an und hört mit sarkastischem Lächeln, wie die anderen ihn verabschieden. «Questo è il fin di chi fà mal», dies sei das Ende von jemandem, der Böses tue, behaupten sie. Weswegen der Mann im Samtsakko (es ist, erraten, Don Giovanni) sie dann auch in den Orkus schickt. Eine mit dieser Aktion verbundene Aussage der Regie – Unzerstörbarkeit des Eros? – ist nicht zu identifizieren; das Ganze bleibt mehr oder weniger ein Gag.
Denn die als Theater auf dem Theater konzipierte Inszenierung Robert Carsens hat vor allem Chic, womit sie dem Anlass, der jährlichen inaugurazione des Teatro alla Scala in Mailand (in diesem Fall der Saison 2011/12), angepasst war (siehe OW 2/2012). Die Produktion markierte zugleich die offizielle Inthronisation Daniel Barenboims als musikalischer Chef der Scala, was der Maestro mit ungewöhnlich gedehnter Partiturexegese zelebrierte. Dass da einige Sänger mit dem Atem gelegentlich Schwierigkeiten bekamen – selbst Anna Netrebko etwa in «Non mi dir» –, ist kein Wunder. Durchwachsene Sängerleistungen insgesamt, nur Peter Mattei in der Titelpartie wirkt immer souverän.
Wie ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
«Begeisterung»? Zu wenig. Auch mit «Fanatismus, Enthusiasmus» komme man nicht weiter. Der Neffe versicherte dem Onkel, «dass keiner dieser Begriffe das Entzücken ausdrücken kann, das diese Musik erregt hat». Nun dürfte der Neffe nicht sonderlich objektiv gewesen sein: Vincenzo Bellini selbst war der Absender, und der Brief kreiste um seine gerade uraufgeführte Oper...
Erst 1999, mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Uraufführung, fand Astor Piazzollas «María de Buenos Aires» den Weg auf eine deutsche Bühne. Katja Czellniks Kieler Inszenierung (siehe OW 12/1999) galt als durchaus exemplarisch. Diesen Rang dürfte ihr die von Andreas Kriegenburg verantwortete Bremer Produktion des Werks nun streitig machen. Denn sie hat, was...
Es wäre ein bisschen zu einfach, wenn man sagen würde, dass «Il viaggio a Reims» und Christoph Marthalers Theaterästhetik gut zusammenpassen, weil die Menschen in Rossinis dramma giocoso auf eine Reise warten, die nie stattfindet, und weil Marthaler nun einmal der Regisseur ist, der aus dem Warten eine Kunstform gemacht hat. Nein, eigentlich war es ja der...
