Die bewegte Frau
Dichter und Philosophen feiern Wiederauferstehung in der Oper. Mathias Pintscher belebte Rimbaud, Peter Ruzicka versuchte es mit Paul Celan und Hölderlin, Wolfgang Rihm und Franz Hummel erweckten Friedrich Nietzsche. Über diesen Trend darf spekuliert werden. Ästhetische Relevanz verbindet sich damit keineswegs immer. Rihms, Ruzickas und Pintschers Adaptionen des jeweiligen Dichters/Philosophen boten immerhin spannende Lösungen an. Brave, narrative Erzähloper war keine von ihnen.
Eine solche hat jetzt der Komponist Bruno Mantovani (Jahrgang 1974) abgeliefert: An der Pariser Bastille-Oper erlebte seine «Achmatova» ihre Uraufführung.
Anna Achmatova gilt als eine der wichtigsten russischen Dichterinnen des vergangenen Jahrhunderts. Ihre Lyrik verschränkt auf vielschichtige Art Symbolistisches und Realität, Persönliches und seltsam Verrätseltes, Trauertonfall und eine oft überraschende Lakonik. Das konnte den politischen Machthabern ihrer Zeit nicht gefallen, und so geriet sie immer wieder in die Verfolgungsmühlen der Stalin-Zeit, durfte ihre Gedichte nicht mehr veröffentlichen, lehnte gleichwohl eine Auswanderung mit ihrem 1912 geborenen Sohn Lew Gumiljow kategorisch ab. Erst 1940 ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Gerhard Rohde
Ach, Aida, wie siehst du nur aus! So ruft unsere innere Stimme, als Gweneth-Ann Jeffers die Bühne betritt, mit einer Ledermappe in der Hand und müder Miene, in miserabel sitzender Kniehose und Oma-Gerda-aus-Pusemuckel-Bluse. Eine Sklavin ist sie nicht, die äthiopische Königstochter, aber eben auch keine Königstochter mehr. So wie Amonasro, ihr auch vokal...
Der Not gehorchend, aber alles andere als eine Notlösung: Weil der Orchestergraben keine 77 Musiker fasst, hat sich Hausherr Martin Schüler für das 1908 erbaute Jugendstiltheater einen «Ring des Nibelungen» einfallen lassen, der etwas anders ist als alle anderen Aufführungen und dennoch Wagners Vorstellungen insofern entspricht, als in Cottbus tatsächlich einmal...
«Er war einfach nicht alltagstauglich», sagt ein Orchestermusiker: «Das wäre, als wenn man jeden Tag Pralinen fressen müsste.» Man kann Carlos Kleiber sensibler würdigen. Oder heroischer. «Er war der vollendete Vermittler zwischen Gott und den Menschen, was die Musik betrifft», posaunt Wiens ehemaliger Staatsoperndirektor Ioan Holender. Georg Wübbolt hat all diese...
