Der Weg zurück nach vorne?
Selten war der große Ozean zwischen der Alten und der Neuen Welt so trennend und zugleich verbindend. Schon beim Lauschen der ersten Takte des dschungelartig verwobenen Klangfarbengeflechts von Daniel Catáns «Florencia en el Amazonas» spürt man diese Ambivalenz einer Musik, die man als radikal reaktionär begreifen könnte, aber auch als anderen Weg, zurück zu einer Ästhetik, innerhalb derer der Komponist wieder den Schulterschluss mit Tradition und Publikum sucht. Das funktioniert.
Der, zugegeben intime, Jugendstilzuschauerraum des Heidelberger Theaters ist voll besetzt bei dieser 1996 in Houston uraufgeführten Oper. Die Sehnsucht scheint groß nach «neuen» Tönen, jenseits von «Neutönerei», Postmoderne und Dekonstruktion.
Noam Zur und das Philharmonische Orchester Heidelberg musizieren dicht und differenziert, lassen sich vom Rhythmus einer unterkühlten Rumba mitreißen. Catáns Musik ist stark vom Verismo wie generell vom spätromantischen Klangkosmos inspiriert, aber sie imitiert ihn nicht. Vielmehr steht sie in der Tradition der jüngeren spanischen Musikgeschichte, wo sie aus der Klangwelt der Zarzuela und der spanischen Impressionisten von de Falla bis Turina schöpft. Und ...
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Von der sehnsüchtigen Liebe im fernen Mittelalter, von der Kaija Saariahos erste Oper «L‘Amour de loin» handelt, springt die finnische, in Paris lebende Komponistin mutig in unsere kriegerische Gegenwart, wieder vom Librettisten Amin Maalouf begleitet. Die Liebe spricht hier mit anderen Worten: Im Krieg, hier irgendwo in den balkanischen oder nahöstlichen...
Zügig steigen die Streicher von jenem lange zu haltenden As empor, das Urgrund und Fluchtpunkt des Wagner’schen Gralsmythos ist. Nicht eilend oder forsch, aber doch bestimmt, als hätten sie das Ziel, die in der Formel «Erlösung dem Erlöser» gipfelnde Schlussapotheose des «Parsifal» bereits im Vorspiel zum ersten Akt klar vor Augen. Erst auf dem letzten Ton des...
Der Komponist, 1661 in Paris geboren, starb 1741 in Lunéville bei Nancy. Diese geografische Nähe mag dazu beigetragen haben, dass die Opéra de Nancy sich endlich einmal auf Henry Desmarest (auch Henri Desmarets geschrieben) besann. Wenn in Deutschland, aber sogar in Frankreich, französische Barock-Oper angesagt ist, fallen meist die Namen Lully und Rameau. Von...
