Der Teufel sitzt im Labor
Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen Feldstudien betrieben zu haben, bevor er auf der Bühne der Nationale Opera ein High-Tech-Bio-Labor für die Reproduktion käuflicher Ladys eingerichtet hat.
Doch unter den alles verzeihenden Augen der nunmehrigen Prinzessin Beatrix werden hier nicht Nebeneinnahmen für einen subventionsgedrosselten Kulturbetrieb generiert, der Frontmann von La Fura dels Baus inszeniert Charles Gounods «Faust», der leicht an seiner eigenen Kulinarik scheitern kann und oft als Salonplüsch empfunden wird, einfach mit ein wenig Lokalkolorit.
Das passt nicht nur sehr gut, die famos chorsingenden Barbies aus den roten Reagenzvierecken mit ihren uniformen Blondschöpfen und Riesenbrüsten fügen sich perfekt in die austauschbare Konsumgesellschaft, als die hier das Volk auftritt. Die Studenten sind Fußballspieler, die walzertanzenden Osterspaziergänger ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Manuel Brug
Es sind pubertierende Jugendliche – sechs Solisten sowie die von acht Mitgliedern des Chors Barock vokal Mainz dargestellten Nymphen und Hirten –, die Tatjana Gürbaca in ihrer bestürzend simplen, aber umso eindringlicheren Inszenierung von Johann Adolph Hasses Pastoralspiel «Leucippo» auf die Bühne des Schwetzinger Rokokotheaters zitiert. Es geht darin um die...
Freuds Psychoanalyse ist zwar schon etwas angejahrt, aber der 1920 uraufgeführte Dreiakter «Die tote Stadt» von Erich Wolfgang Korngold, der einen darauf basierenden therapeutischen Prozess zum Thema macht, hat an Attraktivität bis heute nichts eingebüßt. Für die Geschichte vom beziehungsunfähigen Einzelgänger Paul, der von der Fixierung auf seine tote Geliebte...
Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60...
