Der Klotz des Damokles

Verdi: Nabucco Genf / Grand Théâtre

Opernwelt - Logo

Verdis «Nabucco» ist eine Ansammlung starker Statements: Kampf der Kulturen, mosaisches Gesetz gegen Götzendienst, Liebe gegen Staatsraison, Machterschleichung und Apostasie – ein Knäuel von Handlungsfäden, jeder für sich ein ganzer Opernstoff, verpackt in emotional aufgeladene Gesangsnummern, mit mächtigen Chören dazwischen. Roland Aeschlimann, verantwortlich für Regie (Mitarbeit: Andrea K.

Schlehwein), Bühnenbild und zusammen mit Andrea Schmidt-Futterer auch für die Kostüme, hat aus nachvollziehbaren Gründen darauf verzichtet, dieses übergewichtige Handlungspaket psychologisch zu unterfüttern, es zu dekonstruieren oder noch eine weitere Erzählung hinzuzuerfinden (die wundersame Bekehrung Nebukadnezars erfolgt bei ihm genauso unvermittelt wie in Temistocle Soleras Libretto). Lediglich in den Schlusstakten erlaubt der Regisseur sich einen eingreifenden Kommentar, wenn die zum jüdischen Glauben konvertierte Fenena, das schwächste Glied im grausamen Spiel der Macht, sich aus der Umarmung Ismaels losreißt und sich ein Messer in den Bauch rammt. Soll wohl heißen: Religiöse Überzeugungen lassen sich nicht so gefahrlos wechseln wie Kleider.

Die großformatige Vorlage hat Aeschlimann in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Max Nyffeler

Weitere Beiträge
Nachhilfe für Mozart

Lang ist das alles schon her: «Così fan tutte» gute acht, «Don Giovanni» sogar knappe elf Jahre. Und stilistischer Stillstand, das Ausruhen auf dem einmal Analysierten, das Zufriedengeben mit dem erfolgreich Erreichten wäre so ziemlich das Letzte, was man mit dem Workaholic Kirill Petrenko verbinden würde. Die Metamorphose verblüfft dennoch. An der Komischen Oper...

Lebenswege

Drei Generationen, drei Stimmfächer, drei mögliche Arten, eine Sängerbiografie zu schreiben. Arleen Auger wird zum 20. Todestag gewürdigt, Jochen Kowalski zum 60. Geburtstag – und die 37-jährige Elina Garanca, weil sie ein MedienDarling ist. Da gebührt natürlich der großen amerikanischen Interpretin der Vorrang: Ein einziges Mal nur hat Ralph Zedler Arleen Auger...

Was nicht gelebt werden darf

«... wird aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblühn». Immer wieder stammelt er die Worte, windet sich, als wolle er sie abschütteln, spuckt sie aus, keucht, zuckt. Ein Trauma. Ein Vorspann. Noch bevor die Ouvertüre einsetzt, sehen wir Tannhäuser einsam im Lichtkegel. Rom liegt hinter ihm, den Bannfluch des Papstes aber wird er nicht mehr los. Was...