Der depravierte Führer

Berlin: Deutsche Oper: Wagner: Rienzi

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Der Anfang ist apart. Während die Musik Takt für Takt  zur Besinnung (und richtigen Intonation) gelangt, erleben wir auf der Bühne die Vision einer Vision. Sie spielt in einem opulenten Arbeitszimmer, das den Blick panoramagleich freigibt auf eine Landschaft aus schneebedeckten Bergen. Über allen Gipfeln Ruh’, vitalisierte Luft, Obersalzberg, das Gefühl von Grenzenlosigkeit. Was Wunder, dass Rienzi dergleichen Klänge und Gletscher genießt.

Bald schon zuckt der Potentat (der nur ein Double ist) konvulsivisch, gerät in entrückte Verzückung, erlaubt sich neben einigen fulminanten Überschlägen sogar einen (Aus)Flug über die Welt hinaus zu den Sternen. Die Welt als Wille und Vorstellung. Das Ganze: eine Allegorie des Größenwahnsinns?

Dann der Schwenk in eine andere Realität. Vom Schnürboden fahren Pappmaché-Wolkenkratzer hinab, wir befinden uns mitten in Metropolis. Die Masse (erneut glänzend präpariert: der Chor der Deutschen Oper Berlin) trägt bizarre Masken, derweil der Adel Entführung spielt und sich die Knarren zum Spaß gegenseitig ins Gesicht hält. In dieses Chaos hinein tritt Rienzi, als eine Art proletarischer Lederjackentribun. In Windeseile ergreift er die Macht. Drei Dinge ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten

Vergriffen
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