Der depravierte Führer
Der Anfang ist apart. Während die Musik Takt für Takt zur Besinnung (und richtigen Intonation) gelangt, erleben wir auf der Bühne die Vision einer Vision. Sie spielt in einem opulenten Arbeitszimmer, das den Blick panoramagleich freigibt auf eine Landschaft aus schneebedeckten Bergen. Über allen Gipfeln Ruh’, vitalisierte Luft, Obersalzberg, das Gefühl von Grenzenlosigkeit. Was Wunder, dass Rienzi dergleichen Klänge und Gletscher genießt.
Bald schon zuckt der Potentat (der nur ein Double ist) konvulsivisch, gerät in entrückte Verzückung, erlaubt sich neben einigen fulminanten Überschlägen sogar einen (Aus)Flug über die Welt hinaus zu den Sternen. Die Welt als Wille und Vorstellung. Das Ganze: eine Allegorie des Größenwahnsinns?
Dann der Schwenk in eine andere Realität. Vom Schnürboden fahren Pappmaché-Wolkenkratzer hinab, wir befinden uns mitten in Metropolis. Die Masse (erneut glänzend präpariert: der Chor der Deutschen Oper Berlin) trägt bizarre Masken, derweil der Adel Entführung spielt und sich die Knarren zum Spaß gegenseitig ins Gesicht hält. In dieses Chaos hinein tritt Rienzi, als eine Art proletarischer Lederjackentribun. In Windeseile ergreift er die Macht. Drei Dinge ...
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Die Uraufführung von Verdis zweiter Oper «Un giorno di regno» fand am 5. September 1840 an der Mailänder Scala statt. Es war zugleich die letzte Aufführung. Verdi führte den katastrophalen Misserfolg des Stücks teils auf die Musik, teils auf deren Darstellung zurück. Tief enttäuscht, wollte er das Komponieren ganz aufgeben. Zum Glück hat er es sich dann doch anders...
Was dem Ballett recht ist, ist der Oper billig. So werden sie sich im Baden-Badener Festspielhaus denken. In der Tat, die Choreografien eines Bournonville, eines Petipa oder Fokin werden nach mehr als einem Jahrhundert noch neu einstudiert. Die Baden-Badener Richard-Strauss-Pflege verfährt ähnlich: Nach dem Salzburger «Rosenkavalier» (1995) des 2002 verstorbenen...
Schon 1955 wies Theodor W. Adorno in «Das Altern der Neuen Musik» auf die Gefahr dogmatischer Verfestigung des «Serialismus» in der Darmstädter Schule hin, die manchen, wie etwa Henze, als ästhetische Zwingburg des Avantgarde-Radikalismus erschien. Wobei die monolithische Wucht der Institution sicher überschätzt wurde. So einig waren sich damals Stockhausen, Nono...
