Der Clown als Tiefenpsychologe
Vor bald 20 Jahren verwandelte Jean Nouvel die Lyoner Oper in einen hypermodernen Kult(ur)ort. Parkett, Balkon oder Rang erreicht man mittels Rolltreppen, die konsequent eingesetzte (damalige) Modefarbe Schwarz lässt eine existenzialistische Atmosphäre entstehen. Als Kontrast wölbt sich über allem eine riesige Glaskuppel. Vor dem Opernhaus trifft sich Lyons Freestyler-Szene, drinnen bietet Intendant Serge Dorny ein sämtliche Epochen und Regiehandschriften umfassendes Programm.
Dornys Herz schlägt dabei ebenso für die katalanischen Bilderstürmer von La Fura dels Baus wie für Peter Steins texttreue Exerzitien. Gleichsam in der Mitte zwischen Pomp und Pathos landet Rolando Villazóns Regiedebüt: Oft sang der mexikanische Tenor bereits die Titelfigur aus Jules Massenets «Werther», nun wollte er endlich mal das zeigen, was ihm bisher szenisch-konzeptionell fehlte. Dorny sagte ja zu Villazóns schon 2007 (vor allen Stimmkrisen) geäußertem Regiewunsch, stellte ihm allerdings – glücklicherweise – mehrere Helfer zur Seite, etwa für Feinheiten der Personenführung.
Am Anfang des Abends rauscht erst mal der weiße Vorhang impulsiv zur Seite, bald geht ein Raunen und Staunen durch den Saal. Denn ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Jörn Florian Fuchs
Der verspannte Klang infolge forcierten Singens ist eine unerfreuliche Erscheinung, der man im Opern- und Konzertalltag immer wieder und immer häufiger begegnet. Viele Sänger, falsch angeleitet oder sich selbst überschätzend, versuchen stimmlich mehr zu geben, als sie haben, mit dem Resultat, dass sie nur die Mühsal des Singens, nicht aber die Musik zum Ausdruck...
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
Der Olymp liegt hinter einer Flügeltür. Oben auf der Galerie, zu der eine hochherrschaftliche Treppe führt, die das holzvertäfelte Vestibül symmetrisch in zwei Hälften teilt. Links und rechts neben der Tür hängen die Ahnen an der Wand. In Öl, ordentlich gerahmt. So entrückt wie der meist abwesende Patriarch (Jupiter), der, vom Treiben unten im Foyer hermetisch...
