Der alte Mann und das Meer
Streng geht es in Olga Neuwirths neuer Oper «The Outcast» zu, einem Auftragswerk des Nationaltheaters Mannheim. Ironische Postmoderne wie in Enno Poppes vier Wochen zuvor im nahe gelegenen Schwetzingen uraufgeführtem Intelligenzquotenspiel «IQ» ist ebenso wenig beabsichtigt wie geschmäcklerische Neoromantik à la Thomas Adès. Neuwirth geht aufs Ganze – übrigens auch im Umgang mit den Verantwortlichen der Mannheimer Uraufführung, von denen sie sich missachtet und enteignet sieht, so dass sie nach der Generalprobe empört abreiste und am Premierenabend durch Abwesenheit glänzte.
Eigenwillig ist schon die uneinheitliche Erzählperspektive, die zwei Ebenen verschränkt: die Person des desillusionierten, gealterten Schriftstellers Herman Melville und die Handlung seines Romans «Moby Dick». In Mannheim sehen wir Melville zunächst vorne am Bühnenrand an einem kleinen Tisch sitzen, hinter ihm auf dem Zwischenvorhang eine Videosequenz des Meeres, aus dem sich groß der weiße Wal abhebt. Wie aus der Erinnerung des alten Mannes tauchen nach und nach die Figuren des Romans auf. Erst der Matrose Ishmael – bei Neuwirth eine Frau (Trine Wilsberg Lund) –, der als Einziger den Untergang des Walfängers ...
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Opernwelt Juli 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert
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