Das komponierte Ensemble
Die klassische Situation: Eine bestimmte Anzahl von Menschen aus verschiedenen Ländern, unterschiedlicher Herkunft, beiderlei Geschlechts, gerät auf einer gemeinsamen Reise aufgrund höherer Gewalt in die berüchtigte «Inselsituation»: Es gibt keinen Ausweg, keiner kann dem anderen ausweichen, man muss sich arrangieren, die Zeit totschlagen oder – wie im Kriminalroman – sich peu à peu umbringen, nach der Melodie von den zehn kleinen Negerlein. Rossinis Oper «Il viaggio a Reims» ist nach diesem dramaturgischen Muster konzipiert.
Eine internationale Reisegesellschaft, die zur Königskrönung nach Reims möchte, sitzt in einem Badeort fest, wartet auf neue Wagen und Kutschpferde und vertreibt sich bis dahin die Stunden mit virtuosem Gesang, in dem sich zwischen halsbrecherischen Koloraturen, sanft schwingenden Kantilenen und dem berühmten «Gran pezzo concertato» für vierzehn exquisite Solisten das übliche Quiproquo der Gefühle ausbreitet, für dessen Charakterisierung man einfach nur auf die Komödien eines Marivaux verweisen könnte: das Spiel von Liebe und Zufall – ein Drama des Innenlebens. Rossinis Genialität besteht darin, wie er diese komödienhaft-antreibende, seelenanalytische Rede ...
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Verdis wilde Männer: Bald nach dem «Nabucco» ließ sich der Komponist von Attila fesseln, der «Geißel Gottes». Eine Paradepartie für Bässe, die Belcanto mit Ausdrucksgewalt zu verbinden wissen. In Gelsenkirchen setzt Nicolai Karnolsky seine robuste Stimme wirkungsvoll ein, wird allerdings von Jee-Hyun Kims Ezio in die Schranken verwiesen, ein Hüne in Gestalt und...
Verzwickt ist diese Causa, von ridiküler Narretei nicht frei und durchaus typisch für das politisch problematische Verhältnis zweier Nationen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und am allerwenigsten die Protagonisten selbst waren es, die den Fall «Salomé» in jenen Bereich des Zwischenmenschlichen hinabzwängten, wo man sich nur noch eines wünscht: Fiat justitia,...
Was noch nie sich traf, danach trachtet ihr Sinn: Anna Viebrock, bekannt als Ausstatterin Christoph Marthalers und Jossi Wielers, führt inzwischen selbst Regie und bringt Ungewöhnliches auf die Bühne. Wie Frank Castorf des herkömmlichen Repertoires überdrüssig, vertheaterte sie erst Robert Walsers Roman «Geschwister Tanner», um nun mit einem Musiktheaterprojekt,...
