«Das ist auch eine Frage der Qualität»
«Das ist auch eine Frage der Qualität»
Leipziger Turbulenzen II: Peter Konwitschny über Musiktheater als moralische Anstalt, herbeigeredete Konflikte und seine Pläne
Herr Konwitschny, Ihr Kollege Giancarlo del Monaco hat in Zusammenhang mit seiner Inszenierung von «Manon Lescaut», die kürzlich in Leipzig herauskam, gesagt, er mache «Oper für das Publikum». Was heißt das für Sie?
Zunächst einmal ist das eine demagogische Formulierung. Große Kunst schielt nicht nach dem Geschmack des Publikums.
Wir hätten wohl kein Bild von Picasso, wenn der beim Malen immer an potenzielle Käufer gedacht hätte. Es stimmt natürlich, dass Kunst oder die Auseinandersetzung mit Kunstwerken nicht in einem Elfenbeinturm entsteht. Das gilt erst recht für das Theater und die Oper. Eine Inszenierung ist kein Produkt wie ein Auto. Da kann man nicht fragen: Was will das Publikum? Man muss vielmehr die Frage stellen: Was fordert das Stück, was sagt uns die Musik heute? Für mich ist Oper eine gesellschaftskritische Instanz – das versuche ich in meinen Arbeiten herauszustellen.
Die Opernbühne als moralische Anstalt...
Ja, meine «Väter» sind nach wie vor Lessing, Schiller, Brecht, Heiner Müller. Es geht um die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Hügel ist nicht grün, sondern aus gelbgrauen Ziegeln, gleicht von der Form her eher Pieter Brueghels Turm zu Babel und kann über einen Spiralenweg in knapp mehr als einer Minute erklommen werden. Vor allem aber steht er nicht in Bayreuth, sondern am Donau-Ufer in Budapest, vor dem «Palast der Künste». In diesem vor drei Jahren eröffneten Kulturkomplex fand...
«Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, ist nichts als Eure Bequemlichkeit und Schlamperei» – Gustav Mahlers grimmiger Satz wurde bestimmend in den sechziger Jahren für Peter Stein, Hans Neuenfels, Klaus Michael Grüber, Claus Peymann, Hansgünther Heyme, Achim Freyer, Pina Bausch, Johann Kresnik, Robert Wilson. So groß die Unterschiede zwischen ihnen waren, so...
Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...
