Das Himalaya-Gefühl
Madame Clément, wenn wir auf die einst so schöne Zauberstadt Paris blicken – was sehen wir da gegenwärtig, und was sehen wir vielleicht auch nicht?
Paris ist eine ewige Schönheit, die mich nach wie vor tagtäglich berührt, obwohl ich da geboren bin. Die Schönheit geht jedoch mit einem gewissen Konservatismus einher: Jegliche Veränderung kann auch als Bedrohung empfunden werden, die es abzuwehren gilt – auch wenn die «ewige» Schönheit, die da so vehement verteidigt wird, das Resultat massiver, radikaler städtebaulicher Eingriffe des 19. Jahrhunderts ist.
Ich bin mir dieses impliziten Konservatismus erst bewusst geworden, nachdem ich nach Berlin gezogen war. Wenn ich auf Reisen war und nach Berlin zurückkehrte, hatte sich die Stadt innerhalb eines Monats mehr verändert als Paris in zehn Jahren.
Was ist Paris für Sie?
Ich lebe seit über zehn Jahren wieder im schönen Paris. Es ist meine Heimat, der Ort, wo meine ältesten Freunde sind. Aber ich bin froh, dass ich eine Zeit lang weggegangen bin. Das Leben in den Vereinigten Staaten und dann in Berlin hat mir eine Weltoffenheit vermittelt, die ich so in Paris nicht bekommen hätte. Die Tatsache, dass meine Mutter aus dem Iran stammt, hat ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Interview, Seite 28
von Jürgen Otten
Mit Wagner hat die Musik von Philippe Manoury eigentlich nicht viel zu tun. Jedenfalls beim ersten Höreindruck. Die strudelnden Ströme, die vulkanisch bebenden Flächen, das gleißende Licht und all die krachenden Gewitter, die Manourys Klangfantasie immer wieder freisetzen, bilden schon eine Welt für sich. Eine Welt, die dauernd in Turbulenzen zu geraten, ständig...
Es könnte Zufall sein. Es könnte aber auch sein, dass Erich Wolfgang Korngolds (Alb)-Traumoper «Die tote Stadt» nach beinahe 100 Jahren Einsamkeit wieder vermehrt auf den Spielplänen zu finden ist, weil sie sich gewissermaßen a posteriori dem kühl-flüchtigen Rationalismus der Postpostmoderne mit flackernd surrealer Magie widersetzt. Und weil sie uns in jene Sphäre...
Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhaftigste, so zumindest das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines...
