Das Hackebeil der Königin
Die Welt ist eine Scheibe. Eine Drehscheibe, um genau zu sein. Eine die Bühne füllende, mit diskreter Beharrlichkeit rotierende kreisrunde Schräge. Alles dreht sich, alles bewegt sich – meist in Zeitlupe –, manchmal knarzt es wie im wirklichen Leben, und man könnte sich vorstellen, dass Bühnenbildnerin Katrin Lea Tag bei Donizettis «Maria Stuarda» am Theater an der Wien das Weltbild des Elisabethanischen Zeitalters aufs Korn nehmen wollte. Obschon damals keiner mehr wirklich an die Scheibentheorie glaubte, nicht mal die Kirche.
Deren Furor gegen die freigeisternden Astronomen Kopernikus, Galilei und Kepler galt ja nicht den Verfechtern einer Kugelgestalt, sondern deren ketzerischer Behauptung, dass die Erde sich um die Sonne drehe und nicht umgekehrt.
Nichtsdestotrotz erhebt diese Scheibe hier Anspruch auf einen Kosmos. Manchmal trägt sie Brueghel’sches Menschengewimmel (repräsentiert vom erneut vorzüglichen Arnold Schoenberg Chor), dann wiederum ist sie leergefegt. Wie stets baut Regisseur Christof Loy auch hier auf sein Prinzip des Abdrucks der Körper im Raum, und mit Marlis Petersen in der Titelpartie sowie Alexandra Deshorties als Elisabetta stehen ihm zwei Protagonistinnen ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Gerhard Persché
Wenn es um die ersten Kontakte zwischen Jazz und klassischem Musiktheater geht, ist schnell von Křeneks «Jonny spielt auf» (1927) die Rede, von Brechts und Weills «Dreigroschenoper» (1928) und «Mahagonny» (1930), in jüngerer Zeit auch von den um 1930 entstandenen Operetten Paul Abrahams. Nie Erwähnung aber findet in diesem Zusammenhang Alexander von Zemlinskys...
Die drei Rheintöchter schwingen an Lianen über die Bühne, nackt sehen sie aus, ihre goldblonden Locken-Mähnen wehen im Wind. Am Rande steht der zottelige Satyr Alberich, geifernder Lüstling. Er will eine haben, allzeit bereit mit dauererigiertem Glied. Die Liebe bleibt ihm verwehrt, aber die güldenen Haare, die raubt er. Das war es mit der Natur, mit der Unschuld,...
Bloß kein Meer! Wenige Tage vorher zeigte David Hermann in Karlsruhe «Simon Boccanegra» als Stück aus Innenräumen. Bilder des ligurischen Meeres, von dem Text und Musik erzählen, waren verpönt. Verdis «tinta musicale», die das einfängt, was man später «Naturlaut» nannte, prallte auf eine eng bebaute Drehbühne, die sich gänzlich verschließen konnte und kaum Blicke...
