Das Grauen in uns

München: Bayerische Staatsoper: Dvorák: Rusalka

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Weiß ist der Mond, funktioniert mit 220 Volt und bietet Wärme in muffiger Kellerhölle. Liebkosend hält Rusalka ihn im Arm, während sie sich dem Liebsten und einer Utopie entgegensingt. Doch der Traum hält der Wirklichkeit nicht stand, verzweifelt wirft sie die Elektrokugel von sich. Ein Gefängnis also, bevölkert von Leidensschwestern, dominiert von einem schnauzbärtigen Proll in Adidas-Hose und Bademantel, der den Beschützer spielt und sich an den Frauen vergreift. Ein Mann des Grauens. Ein Mann wie Joseph Fritzl, der Inzest-Vater aus Amstetten.



Längst schon ist die Regie bei Antonín Dvoráks vielsagender Nixen-Tragödie übers Märchen hinaus. Während Jossi Wieler und Sergio Morabito bei ihrer Salzburger Festspielproduktion vor zwei Jahren «Rusalka» ins Edel-Bordell steckten, dreht Martin Kusej an der Bayerischen Staatsoper nun alles um mindestens drei Umdrehungen weiter. Da der Kärntner mit Ähnlichkeiten jongliert, drängen sich Assoziationen mit dem Fall Fritzl und dem der gekidnappten Natascha Kampusch auf. Doch Kusej bietet mehr als eine 1:1-Theatralisierung der Wirklichkeit. Er misstraut nicht (wie oft bei anderen Operneinsätzen) dem Werk. Kusej nimmt «Rusalka» vielmehr auf eine ...

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Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel

Vergriffen
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