Dämonische Koloraturen
Schillers Historiendrama um die Schottenkönigin Maria Stuart lieferte Donizetti die Steilvorlage für einen der wohl besten Zickenkriege der Operngeschichte. Im berühmten Duell der Diven am Schluss des ersten Akts fliegen allerdings nur dann so richtig die Fetzen, wenn sich die Kontrahentinnen in puncto Stimmgewalt und Temperament einigermaßen ebenbürtig sind.
Womit bereits die erste Enttäuschung von Moshe Leisers und Patrice Cauriers insgesamt eher schwachbrüstigen Neuinszenierung der zweiten von Donizettis drei Tudor-Königinnenopern angesprochen wäre: die Besetzung der Partie der Elisabetta mit Carmen Giannattasio, die sich gerade auf den Weg vom lyrischen ins Spinto-Fach gemacht hat. Schon ihre erste Arie ließ erahnen, dass ihr das pyrotechnische Rüstzeug für das später geforderte vokale Feuerwerk nicht eben von der Natur in die Stimmbänder gelegt wurde. Angestrengte Läufe in der Cabaletta und ein allzu hitziger Wechsel ins Brustregister waren frühe Vorboten dafür, dass hier eine Stimme nicht mit der Inbrunst und dem Gefühlsüberschwang der Partie würde mithalten können.
Spätestens der Auftritt der Titelheldin in der zweiten Szene machte die Befürchtung zur Gewissheit: Joyce ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Edward Seckerson (Aus dem Englischen von Marc Staudacher)
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