Brillant gefügt
Früher nannte man ein Theaterstück, das zur Weihnachtszeit für die «ganze Familie» in Szene gesetzt wurde, ein Weihnachtsmärchen. Diese Aufgabe erfüllt die am Aachener Theater uraufgeführte Oper «Der Zauberer von Oz» des Komponisten Anno Schreier spielend, und doch ist sie sehr viel mehr: ein kleines Stück Welttheater – für Kinder eine eingängige Zaubergeschichte, in der das Gute über das Unheimliche und Böse siegt, für Erwachsene ein launiger Gang durch die Opern- und Musikgeschichte und eine Parabel auf die von immer neuen üblen Kräften beherrschte Gegenwart.
Virtuos hat Schreier Motive aus fast allen Epochen verarbeitet und daraus ein köstliches Stück destilliert. Als eine Art fixe Idee geistert das Hauptmotiv aus Schuberts «Erlkönig» durch die Partitur. Aber auch Monteverdis Madrigalkunst, Mozarts «Zauberflöte» mit einer weihevoll-komischen Sarastro-Parodie, Richard Wagners düster dräuende Fafner-Akkorde, Anspielungen auf Jacques Offenbachs Spalanzani-Figur aus «Les Contes d’Hoffmann», ein bisschen Richard Strauss und Strawinsky und vieles andere hat Schreier adaptiert. Dazu gibt es immer wieder dramaturgisch plausible Ausflüge in die leichte Muse mit Musical-, Country-, Jazz- ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Josef Oehrlein
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