Krippenspiel: Jaquces Imbrailo (Joseph) und Sasha Cooke (Maria); Foto: Kai Bienert
Braucht Berlioz' «L'enfance du Christ» Bilder?
Alles schrecklich gut gemeint – die Wahl des Stücks: Berlioz’ im deutschsprachigen Raum eher selten zu hörende Legende «L’enfance du Christ» (1854); das Timing der Aufführung: eine Woche vor Heiligabend; die szenische Einrichtung in der Berliner Philharmonie: Ein menschliches Antlitz wolle sie der Heilsgeschichte geben, tat die als Regisseurin engagierte Schauspielerin Fiona Shaw («Harry Potter») kund.
Doch was sich dann auf dem Podium vor den Musikern des Deutschen Symphonie-Orchesters abspielte, war von einer so pausbäckig-harmlosen Krippenspielbiederkeit, dass man bald gar nicht mehr hinschauen wollte. Zumal Shaws holzschnittartig-sentimentale Verniedlichung der Figuren dem poetischen Geist dieses ungewöhnlichen Zwitterwerks – es ist Oper, Oratorium, Vokalsymphonie, alles in einem – diametral zuwiderläuft.
Robin Ticciati, der neue Chefdirigent des DSO, stellt die heterogene Struktur der «Geistlichen Trilogie» (Traum des Herodes, Flucht nach Ägypten, Ankunft in Sais) plastisch aus – die offenen Flanken einer Musik, in der liedhafte Intimität neben Orgelpathos, kirchentonal Fugiertes neben chorischer Musette, Zornesarie neben Engelsstimmen steht. Sasha Cooke (Maria) und Jacques ...
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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Albrecht Thiemann
Es dauerte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, bis Leo Tolstojs Geschichte der Anna Karenina auf die Opernbühne fand. Eine sexuell frustrierte Ehefrau aus besseren Kreisen als Opernstoff, das ging wohl erst nach Freuds Psychoanalyse. Doch dann war das Tabu gebrochen. Die ersten Dramatisierungen stammen von Salvatore Sassano (Neapel 1905) und Edoardo Granelli (Kiew...
Herr Larsen, als ich Sie das erste Mal gesehen habe, waren Sie nackt ...
Das ist nicht weiter verwunderlich, denn seit 2004 singe ich als Osmin in Calixto Bieitos Inszenierung der «Entführung aus dem Serail» meine erste Arie unter der Dusche. Und dabei bin ich logischerweise nicht angezogen.
Zweifellos ist die Produktion auch dieses Auftritts wegen Kult geworden....
Zweimal an diesem Abend beginnt sich der Tunnel spektakulär zu drehen: am Ende von «Il tabarro», wenn der getötete Nebenbuhler wie am Fleischerhaken rotiert, und am Schluss von «Suor Angelica», wenn die Titelheldin ihr totes Kind pathosaffin im Himmel kreisen sieht. Nur in «Gianni Schicchi» hängt, welche Ironie, der Tote schon friedlich von der Decke, auf dass die...
