Boyleske
Die Geschichte ist ja nicht ohne. Getäuscht sieht sich am Ende nicht nur Ihre Hässlichkeit, die Sumpfnymphe Platée. Überlistet wird auch Junon, die Jupiter mit ihrer notorischen (und durchweg begründeten) Eifersucht verfolgt. Das Ganze kam anno 1745 zur Unterhaltung und Erbauung auf die Bühne von Versailles, in Form einer ebenso virtuosen wie vielschichtigen Ballettoper, die zweifellos die Zustände am französischen Königshof parodiert, sie aber vorsichtshalber in den Bereich der Fabel verweist.
All das verständlich ins Hier und Heute zu übertragen, ist eine Herausforderung, die man nicht unbedingt einem Debütanten anvertrauen mag. Stijn Celis, am Saarländischen Staatstheater als Ballettdirektor im Amt, stellt sich ihr trotzdem und beweist damit zumindest: Mut. Die Courage eines Choreografen, dem das eigene Metier nicht mehr genügt. Das ist der Inszenierung zunächst nicht unbedingt anzumerken; der Belgier eröffnet die Aufführung mit einem bewegungsintensiven Prolog. Das mythische Personal ist zwar als solches noch erkennbar, aber die Satyrn und Mänaden geben sich punkig halbgescheitelt durchaus als unsere Zeitgenossen. Austauschbar auch die halbnackten Männer und Frauen, die ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Hartmut Regitz
Leben unsere Staats- und Stadttheater eigentlich von Dosenpfand? Oder geht es nicht ohne Dosenbier, wenn es Regisseure in die Unterschicht zieht? Dabei müsste Don Carlo di Vargas als Sohn des Marchese von Calatrava doch eigentlich Besseres gewohnt sein als Bier aus dem Blech. Frank Hilbrich hat beim Einkauf für die Staatsoper Hannover den Einkaufswagen gleich...
Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....
Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen...
