Bloßgestellt

Mozart: Così fan tutte Lübeck / Stadttheater

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In ihrer Lübecker Mozart-Inszenierung versucht Sandra Leupold ins Szenische zu übertragen, was die Harmonielehre einen Trugschluss nennt: Nachdem die drei männlichen Protagonisten am Ende des Andante Nr. 30 ihr «Così fan tutte» geschmettert hatten, fällt der Vorhang, Guglielmo, Ferrando und Don Alfonso verbeugen sich, und das Saallicht wird eingeschaltet. Ein Trugschluss, wie gesagt: Das eigentliche, das musikalisch so wunderschöne Finale folgt ja noch. Und da fallen die Kleider.

Von den ästhetischen Rokoko-Kostümen (Jessica Rockstroh) bleibt nichts übrig als die nicht durchweg ansehnliche moderne Unterwäsche. Wir haben schon verstanden: Mit der ihnen von Da Ponte und Mozart verordneten Liebesprobe werden die Figuren bloßgestellt; sie sind allesamt Verlierer in diesem bösen Spiel. Das ist schlüssig. Aber keineswegs neu, eher eine mittlerweile schon etwas abgegriffene szenische Metapher. Auch der leere Bühnenraum, Zeitlosigkeit signalisierend, zählt gewiss nicht zu den originellsten Erfindungen der jüngeren «Così»-Exegesen.

Bei der Personenführung dagegen hat die Regisseurin eine glückliche Hand. Das traditionelle Maskenspiel der Opera buffa, ungemein quirlig und mit viel Akrobatik ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhart Asche

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