Bloß keine Langeweile

Wenn er an große Oper denkt, hat Mark-Anthony Turnage gemischte Gefühle. Lieber Puccini als Wagner, lieber Jazz, Soul oder Varieté als eine Avantgarde, die sich selbst zu ernst nimmt. Warum und wie er für Covent Garden sein drittes abendfüllendes Stück Musiktheater komponiert hat, erläutert der 50-Jährige im Gespräch mit Albrecht Thiemann

Opernwelt - Logo

 

Mister Turnage, Sie haben vor rund zehn Jahren einen kurzen Beitrag für «Opera» geschrieben...
Wirklich? Daran kann ich mich gar nicht erinnern...

Die «Erzähl»-Oper, hieß es da, sei ein Auslaufmodell, eine Sackgasse. Viele dachten damals, «The Silver Tassie» nach Sean O’Casey sei die letzte Turnage-Oper. Jetzt haben Sie es doch wieder gemacht...
Das ist schon verrückt (lacht). Ich konnte mir lange nicht vorstellen, noch mal eine Oper zu schreiben. Geschweige denn eine, die eine Geschichte erzählt. Mit klar definierten Figuren, großem Chor und Orchester.

Mich interessierten offene Formen, eine spielerische Befragung traditioneller Muster und Techniken. Mir schwebte etwas vor, was ich in «Rosa» von Louis Andriessen und Peter Greenaway fand – ein Stück mit magisch wucherndem Plot und aufregender Musik, fantastisch, surreal, reflektiert und doch absolut zugänglich. Leider sind mir nie die richtigen Partner für ein solches Projekt über den Weg gelaufen.

«Anna Nicole» ist eine klassische «Erzähl»-Oper...
Zuerst wollten wir den Stoff stärker auffächern und verfremden. Zum Beispiel sollte ein altes Ehepaar aus dem Publikum heraus die Vorgänge auf der Bühne kommentieren. Der Mann sollte am ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Kulturbotschafter Mozart

Als der irakische Vizepräsident Mullah Bakhtiyar am 26. November letzten Jahres auf der Premierenfeier die nagelneue Kölner «Entführung» in den Irak einlud, rechnete wohl niemand ernsthaft damit, dass die Oper drei Monate später tatsächlich mit einer hundertköpfigen Truppe in die Krisenregion aufbrechen würde. Niemand ahnte damals auch, wie dramatisch sich die...

«Glücklich macht uns Illusion»

Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an...

Der Magier als Maestro, der Maestro als Magier

Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....