Beziehungsprobleme

Bremen, Britten: Ein Sommernachtstraum

Opernwelt - Logo

Der «Lohengrin»-Frust sitzt offenbar tief bei Barrie ­Kosky. Während seiner Arbeit an Brittens «Sommernachtstraum» ließ er über die Medien erst mal jede Menge Wien-Schelte vom Stapel, um zu betonen, wie unvergleichlich viel freier die Produktionsbedingungen im hanseatisch aufgeschlossenen Bremen seien. Aber das Ergebnis zeigte dann, dass ein biss­chen mehr Kontrolle dem seinen Einfällen offenbar völlig unkritisch gegenüberstehenden Regisseur durchaus gut getan hätte.

Die durch stumme und andere Zusatzszenen auf fast vier Stunden gedehnte Inszenierung quoll über von oft allzu oberflächlich und simpel gestrickten Ideen unterschiedlichster Couleur, angesichts derer die Poesie des Werkes bis auf wenige Ausnahmen (etwa dem Finale des zweiten Aktes) hoffnungslos auf der Strecke blieb.
Oberon, eine Tunte im Glitzerfummel, die Handwerker als Altmänner-Turnerriege an der Ballettstange, trippelnde Elfen im gefiederten Revuegirlschmuck, der zum Esel verwandelte Zettel mit einem bis zum Knie aus der Hose he­raus­hän­genden Riesenphallus, Wasserschlachten wie in der Provinzposse, danach die beiden Liebes­paare (darunter der Tenor mit vor Fett schwabbelndem Körper) in Unterwäsche ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Crux mit den letzten Dingen

Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaf­tigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in...

Präzise Turbulenzen

Keine Frau, spottet Despina, sei bisher an Liebeskummer gestorben. Ob sie wirklich glaube, erwidert darauf Dorabella, dass einen anderen lieben könne, wer einen Gug­lielmo oder Ferrando hatte. Die Fehlleis­tung, dass sie erst den Liebhaber ihrer Schwester nennt – ist komponiert. Die in der musikalischen Phrase nach «Gug­lielmo» stehende Pause übersetzt Vincent...

Verwirrte Gefühle

Kaum vorstellbar: eine Auffüh­rung des «Figaro» mit deutschen Dialogen oder die «Entführung» mit Secco-Rezitativen auf Ita­lienisch. Im Falle von Mozarts «La finta giardiniera» gibt es extreme Fassungsunterschiede: Für Augsburg (1780) hat Mozart das Stück als Singspiel mit gesprochenen deutschen Texten autorisiert. Dass beide Versionen freilich nur zwei Seiten...