Belebte Zeichen
Über die szenische Einrichtung geistlicher Werke lässt sich trefflich streiten.
Was haben ein Requiem, ein Stabat mater, ein Oratorium auf der Tanz- oder Opernbühne zu suchen? Ging es Bach, Händel, Mozart, Mendelssohn – bei allen Unterschieden im musikalisch-theologischen Selbstverständnis und in den historischen Parametern – nicht primär um die Verkündigung spiritueller, aus biblischen Erzählungen gewonnener Wahrheiten? Wird man diesen Werken nicht eher durch eine Haltung asketischer Kontemplation gerecht als durch bildmächtige Aktion? Sprechen die Texte und die Musik nicht für sich? Was ist gewonnen, wenn zu Wort und Klang die (Bewegungs-)Sprache von Körpern, das Vokabular von Gesten, Kostümen und Raumbildern tritt?
Andererseits: In jedem geistlichen Opus steckt immer auch ein Stück Handlung. Kaum eines zielt auf reine Meditation. Die Prophetien des Alten Testaments und die Geschichte(n) vom Leben und Sterben Christi – sie berichten immer auch von (prototypischen) menschlichen Konstellationen, die eine Visualisierung nahelegen. Wenn Choreografen wie John Neumeier oder Regisseure wie Götz Friedrich und Dietrich Hilsdorf Bach «inszenieren», wenn Achim Freyer Verdis «Requiem» als ...
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Die Überraschung kommt aus dem Orchestergraben: So transparent und dialogfreudig geht das Orchester der Royal Opera in London seinen neuen «Figaro» an, dass man glatt auf John Eliot Gardiner oder Roger Norrington am Pult tippen könnte. Tatsächlich aber ist es Covent-Garden-Chef Antonio Pappano, der hier den Ton angibt – und damit zeigt, dass er seine Lektion in...
Die die Gruppe zusammenkittende Tanzmusik dieser Jugendgang kommt aus dem Gettoblaster, ihr Anführer namens «Duca» grabscht alles Weibliche in seinem Gesichtskreis schamlos ab, und dann ist da noch der behinderte Kerl, der dem Chef die Chicks zuführt. Nicht so sehr der treffgenaue, gut funktionierende Verdi-Verfremdungswitz dieser «Rigoletto»-Inszenierung im...
In Deutschland nur durch seinen «Hamlet» und vor allem durch seine Wilhelm-Meister-Oper «Mignon» bekannt, war der 1823 geborene Ambroise Thomas um die Mitte des 19. Jahrhunderts einer der erfolgreichsten Hauskomponisten der Pariser Opéra comique. Die leichtgewichtigen musikalischen Gesellschaftskomödien, die Thomas, ähnlich wie seine Kollegen Adam und Halévy, quasi...
