Belcanto im Stadttheater
Lucrezia hat keine Chance: Blutschande mit Vater und Brüdern, der Gifttod, den ihre Hand so gern und oft gereicht haben soll – sie ist gerichtet von zahllosen Geschichtsschreibern. Und wenn auch aus Historikersicht wohl an all dem nichts dran ist, so lebt das Ungeheuer Lucrezia Borgia doch fort in unseren Köpfen, kolportiert auch von Victor Hugos Schauspiel und Gaetano Donizettis Oper nach dieser Vorlage.
Diese Opern-Borgia hat alles, was ein starkes Stück Musiktheater braucht: großartige Wechsel zwischen poetischer Gefühligkeit der Mutterliebe und Rachsucht, prächtige Ensembles (etwa der erste Aktschluss) und zwei raumgreifende Szenen für die Protagonistin. Dass das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts überaus populäre Werke heute nur noch selten auf den Spielplänen anzutreffen ist, könnte neben der allfälligen Belcanto-Unlust vieler Regisseure auch und vielleicht vor allem an Besetzungsproblemen liegen: Naturgemäß rar sind Belcanto-Tenöre für die Partie des Gennaro, den verloren geglaubten Sohn der Borgia, der ahnungslos seiner Mutter frevelt und in ihren Armen stirbt. In Bassbariton-Lage singt der Herzog von Ferrara, dritter Ehemann der Borgia, und auch hier werden außer einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Blick fällt in eine weite Halle, deren Tiefe sich ins Endlose zu erstrecken scheint. Feldbetten, eine Waschgelegenheit, Tische, Bänke und vor allem: zahllose gleichförmige Lampen, deren geometrisch ausgerichtete Reihen die großen Raumdimensionen noch unterstreichen. Allein diese Verhältnisse deuten schon auf die Monotonie des Alltags. Pierre Strosser verzichtet...
Auf einem Kritiker-Forum, das während der Aufführungszeit des «Ring des Nibelungen» in Adelaide stattfand, stellte ein Teilnehmer – wo, wenn nicht in Australien! – die Frage, ob die «Ring»-Tetralogie die «Olympiade der Oper» sei. Dabei entging dem Fragesteller offenbar, dass im Logo der Olympischen Spiele fünf Ringe prangen. Und doch schien die Frage nicht allzu...
Klein, silbern, teuer: Als vor gut einem Vierteljahrhundert die CD den Tonträgermarkt im Sturm nahm, war ein Preis von fünfundvierzig bis fünfzig Mark angepeilt. Das Spiel von Angebot und Nachfrage temperierte diese Phantasiesumme schnell, auch der Mangel an Aufnahmen im dreifach-digitalen Standard machte einen Strich durch die Rechnung. Nicht zuletzt mit den...
