Ausgezeichnet

Zemlinsky: Der Zwerg
Berlin | Deutsche Oper

Opernwelt - Logo

Man sieht es und staunt: Keine Männer in Doppelripp oder Uniform, keine Vergewaltigung, kein Blut. Und auch keinerlei Ersatz mehr für den Sonntagabend-«Tatort». Dabei könnte Alexander Zemlinskys oft autobiografisch gedeuteter «Zwerg» – der Komponist war extrem klein und galt als hässlich – die erschütterndsten Metaphern liefern, etwa für die Ausgrenzung von Schwerbehinderten und Obdachlosen oder die inhumane Behandlung von Immigranten. Aber nichts von alldem wird hier thematisiert.

Regisseur Tobias Kratzer scheint an der Deutschen Oper Berlin davon auszugehen, dass sich Oscar Wilde mit seinem Märchen «The Birthday of the Infanta» und Zemlinsky mit seiner Vertonung etwas gedacht haben, dass die Darsteller deren Intentionen möglichst unverfälscht auf die Bühne bringen sollten und das Publikum schon intelligent genug sein dürfte, Sinn und Bedeutung dieses Musikdramas zu erfassen.

Wie die Sänger mit dieser Form des Theaters klarkommen? Ausgezeichnet. Sie fühlen sich sicht- und hörbar wohl in ihren Rollen. Elena Tsallagova erweckt eine hier arrogante Infantin Clara zum Leben, wie sie abstoßender und anziehender nicht sein könnte – wobei kein eindimensionales Charakterbild entsteht, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Volker Tarnow

Weitere Beiträge
Multiple Identität

Sie hatte mehrere Namen, hieß Stella Goldschlag und Stella Kübler-Isaaksohn, am Ende ihres Lebens auch Ingrid Gärtner (Foto). Eine Frau, die in ihren multiplen Identitäten untertauchte, deren Geschichte wohl auch deshalb heute nur wenige kennen. Dabei wirft ihre Biografie Licht auf eine weniger bekannte Facette des Holocaust: Selbst im Nazireich war die tödliche...

Herzzerreißend irre

Sommer 1809: Ganz Europa ist von Napoleon besetzt. Französische Truppen stehen in Dresden und Warschau, Triest und Hamburg. Marionetten aus Bonapartes Verwandtschaft regieren in Madrid, Kassel und Neapel. Ganz Europa? Nein, in Parma hält ein Graf Scotti Hof, als sei das Ancien Régime nie untergegangen. Bei dem in der Heimat weilenden Ferdinando Paer bestellt er...

Unwiderstehlich

Der Stoff fand sich bei Wikipedia. Auf einer Seite, die Hochstapler und Betrüger listet. Der schottische Dramatiker David Harrower liebt Geschichten aus dem echten Leben. Also nahm er sich einen authentischen Kriminalfall vor, als Luke Bedford ihn um ein Libretto für einen Einakter bat, den Londons Royal Opera House bei ihm für einen «Faust»-Schwerpunkt 2014...