Ausgefranst
«Werktreue» haben Susanne Herrnhausen und Gerhard Brunner ihre Zürcher Agentur getauft, die erste und bislang einzige, die sich auf Vermittlung von Opernregisseuren spezialisiert. Ein altmodischer Name, der schon einiges aushalten musste! Er fällt uns unweigerlich wieder ein, oder vielmehr, auf die Füße, jedes Mal, wenn wir ein Opernhaus betreten, in dem einer der Herrnhausen-Brunner-Künstler gerade inszeniert, sei es Calixto Bieito oder Andriy Zholdak. Diesmal ist es Tatjana Gürbaca, die ein Stück über das Sterben in Szene gesetzt hat, mit Musik von Aribert Reimann.
«L’Invisible» ist Reimanns jüngste Oper, ein Triptychon nach Maurice Maeterlinck. In lakonisch klarer Klangsprache erzählt sie von drei der vielen menschlichen Unmöglichkeiten, sich abzufinden mit dem Tod: trostlos karg zu Anfang, märchenhaft wissend und grell-bitter am Ende. Die Berliner Uraufführung im Herbst 2017 wurde zu einem Triumph, es gibt bereits eine CD-Aufzeichnung. Das Staatstheater Braunschweig wagte nun die erste Neuproduktion.
Gürbaca beginnt mit dem Inszenieren im Parkettfoyer, sie hat dazu den Videokünstler Yang Zhenzhong eingeladen. Menschen aus aller Welt, allen Altersklassen bevölkern die Wand, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Eleonore Büning
Unter den Namen, die für die Nachfolge Stéphane Lissners, des 2021 scheidenden Intendanten der Pariser Opéra national, gehandelt werden, tauchte auch der ihrige immer wieder auf. Vermutlich war sie die einzige Frau, die eine echte Chance hatte, an die Spitze der bedeutendsten staatlichen Institution des französischen Musiklebens berufen zu werden. Eine Deutsche...
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
Sie war überfällig, diese russische Erstaufführung. Schon wegen des Stoffs, den Peter Eötvös für seine erste große, 1998 in Lyon aus der Taufe gehobene Oper wählte: Tschechows Drama «Drei Schwestern». Und weil die bleierne Atmosphäre, die den Figuren in dem bald 120 Jahre alten Stück die Luft abschnürt, auch heute, unter veränderten Vorzeichen, auf dem Land...
