Ausgebremst

Verdi: La traviata Glyndebourne / Opernhaus

Opernwelt - Logo

Violetta und Alfredo fristeten ihr beschauliches Landleben vor den Toren von Paris sicher nur in relativer Bescheidenheit. In Tom Cairns’ unaufgeregter, dezent in die Gegenwart geholter «Traviata» leben sie üppig: Die Bühnen- und Kostümbildnerin Hildegard Bechtler bettete Verdis Schlüsselszene im zweiten Akt in eine malerisch bewaldete Parklandschaft in bester Glyndebourne-Idyllik und schneiderte den Protagonisten dekorative Garderobe auf den Leib. Das alles sieht sehr gut aus.

Einblicke in die Seele, psychologisch motiviertes Spiel und dezidierte Personenführung bleiben von der Regie dagegen unterbelichtet: Dass und wie hier drei Menschen (Violetta, Alfredo und Germont père) ihrer innersten Gefühlsregungen gewahr werden – Cairns vermag die Zuspitzung, auf die es in der «Traviata» doch entscheidend ankommt, nicht recht zu vermitteln, so dass die Regungen und Reaktionen der Darsteller weitgehend ohne erkennbaren Bezugsrahmen bleiben. Auch die allzu routiniert-glatte Bewegungsregie der Choreografin Aletta Collins in den Massenszenen ändert daran nichts.

Michael Fabiano ist ein schneidiger, attraktiver Alfredo, richtet seine gesanglichen Absichten allerdings mehr ins Publikum als an ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Tom Sutcliffe

Weitere Beiträge
Paralleluniversum, Volkshochschule

Dem bequem Üblichen und Überkommenen, dem Gewohnheitsgeplapper hat Nikolaus Harnoncourt sich stets entzogen. Auch und vor allem in der Musik. Nicht, dass man mit seiner Interpretation von Mozarts «Zauberflöte» 2012 bei den Salzburger Festspielen immer d’accord war. Manches schien doch ein wenig nach gewolltem «Anders-als-die-anderen» zu riechen, und man konnte die...

Infos

Jubilare

Sie studierte an der Budapester Musikakademie Liszt Ferenc bei József Réti Gesang und begann ihre Bühnenkarriere Anfang der 1970er-Jahre in Bern und an der Deutschen Oper am Rhein mit Partien wie Gilda, Sophie, Norina, Königin der Nacht und Zerlina. Als Blonde in Giorgio Strehlers Inszenierung von Mozarts «Entführung aus dem Serail» trat Krisztina Laki bei...

Im Umbruch

So gehört sich’s. Der Tenor unserer Tage singt nicht mehr aus Notenblättern oder Klavierauszügen, sondern er hat sie in seinem Tablet gespeichert. Er blättert nicht mehr, sondern er klickt. Er braucht sein Gepäck nicht unnötig zu belasten. Wenn er aufs Podium geht, liegt kein Papier auf seinem Notenpult, sondern ein kleiner, flacher ­Lesebildschirm. Michael Spyres,...