Ausgebrannt
Die Zeitgenossen waren sich einig, dass ein Fluch über dieser Oper schwebt. Erst hinderte der Tod den Komponisten Jacques Offenbach 1880 an der Vollendung seiner «Contes d’Hoffmann», dann brannte bei der Wiener Erstaufführung die Hofoper nieder, einige Jahre später auch der Ort der Uraufführung, die Pariser Opéra-Comique. Immer ging wertvolles Aufführungsmaterial verloren. Zwar überlebte das Werk, aber um den Preis einer brutal verstümmelten Fassung mit Umstellungen und Zutaten eines eigenmächtigen Herausgebers.
Mittlerweile aber ist etliches Originalmaterial in Nachlässen und Archiven aufgetaucht, so dass vor zwei Jahren eine gemeinschaftliche Ausgabe der (in früheren Zeiten eher zerstrittenen) Offenbach-Forscher Jean-Christophe Keck und Michael Kaye erschien, die alle derzeit greifbaren Töne von Offenbachs Opus ultimum enthalten soll.
Natürlich gilt es auch hier theaterpraktisch auszuwählen und abzuwägen, um das Werk nicht als philologischen Zettelkasten auf die Bühne zu hieven. In der Neuinszenierung am Essener Aaalto-Musiktheater vermisste man nun den Chor der alkoholischen Geister am Beginn, vor allem im Giulietta-Akt wurde beherzt gekürzt und lieb gewordene Nummern wie die ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Struck-Schloen
Gläserne Strahlkraft. Dramatische Fallhöhe und eine luxurierend ummäntelte Erotik. Die stimmliche Ausstattung von Véronique Gens, wenn man sie live hört, ist etwas Besonderes. Sie lässt sich kaum besser umschreiben als mit dem Ausdruck «grandeur». «Würde», «Herrlichkeit», «Grandezza» – das alles schwingt mit. Nicht sehr moderne Eigenschaften, scheint es. Véronique...
Man darf es als Bekenntnis, als musikpolitischen Aufbruch verstehen, wenn sich die neuen Intendanzen in Karlsruhe und Stuttgart einem der großen, hierzulande noch immer nicht in seiner vollen Bedeutung anerkannten Zeitgenossen zuwenden – Hector Berlioz, dem bahnbrechenden Orchestervirtuosen und eigentlichen Zukunftsmusiker unter den großen Komponisten des 19....
In gefühlten Es-Dur-Brechungen wallt es «Rheingold»-artig aus dem Orchestergraben herauf. Ein nächtlicher Highway schlängelt sich einer fernen Gebirgssilhouette entgegen. Vorn bricht ein Schwert durch den Asphalt: Excalibur. Ein Cadillac aus den Seventies parkt am Straßenrand. Das Warnlicht blinkt. Ein mittelalter, gedrungener Mann hat den Kopf auf das Lenkrad...
