Aus ferner Zeit
Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweinehund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand (Kostüme: Corinna Cromme) die mit einer geschwungenen Treppe bebaute Drehbühne (Hartmut Schörghofer), dann mag man das kaum mehr glauben.
Ein Galan aus der Schule der Romantik steht dort, mit vollendet frisierter Mähne, männlicher Ausstrahlung und jenem schelmisch-selbstgewissen Grinsen, das nur der aufsetzt, der weiß, wie die Frauen ticken – und wie man sie herumkriegen kann.
Die Art und Weise, wie Babajanyan seinen Bariton stilsicher zwar, doch kaum textverständlich (gesungen wird auf Deutsch) durch die Partie führt, erinnert an überholte Interpretationsmuster. Da ist viel Vibrato, viel Schmelz, viel Timbre, doch wenig Filigranes, wenig Verschattung. Das wird in der Inszenierung von Axel Köhler, handwerklich gelungen und reich an Einfällen, umso deutlicher in dem Augenblick, wo Don Giovanni seinem Diener begegnet. Andreas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Beste am Christentum sei, dass es Ketzer hervorgebracht habe, bemerkte der Philosoph Ernst Bloch einmal. Ob José Maria Sánchez-Verdú die Schriften Blochs kennt, sei hier dahingestellt. Doch eines haben der deutsche Denker, der bis zu seinem Tod 1977 mit Marx- und Engelszungen die Utopie einer im Diesseits erlösten Welt predigte, und der 1968 geborene spanische...
Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Bowery im Süden Manhattans eine miserable Adresse. Verbarrikadierte Shops, zugemüllte Gehsteige, Autowracks, Schnapsleichen: urbanes wasteland. Touristen, hieß es, sollten das Gebiet zwischen Little Italy und Lower East Side lieber meiden. Dreißig Jahre später ist die Gegend kaum wiederzuerkennen, scheint ihre...
Kein Wald, keine Grotten, keine Innenräume: Schloss Allemonde ist der verfallende Innenhof einer zinnenbewehrten Burg. Durch schiefe Wände brechen ein paar kahle Baumstämme. Wie dem Stück an diesem Ort (Bühne: Helfried Lauckner) zu begegnen ist, beantwortet Brigitte Fassbaender mit Unentschiedenheit. Mal bedient sie den Symbolismus, mal verweigert sie sich ihm.
Die...
